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Einladungen zu den STOLPERSTEIN-Verlegungen und weiteren Veranstaltungen


 

Putzen der STOLPERSTEINE im Gedenken an das Novemberpogrom 1938 in Senftenberg

Auch in vielen Städten in Brandenburg kam es ab dem 9. November 1938 in einer staatlich inszenierten Aktion zu einem damals noch nicht vorstellbarem Ausbruch an Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und Menschen, die als solche durch die NS-Gesetzgebung bestimmt wurden. Fensterscheiben wurden zerschlagen, Geschäfte geplündert, Gebeträume und Synagogen angezündet, jüdische Friedhöfe geschändet und Wohnungen verwüstet. Vor allem aber wurden Menschen gedemütigt, misshandelt, in Konzentrationslager verschleppt, ermordet oder in den Tod getrieben.

An sie wird insbesondere am 9. November auch durch das Putzen von STOLPERSTEINEN gedacht. Eine kleine Gruppe von Senftenberger*innen, darunter auch Frauen der LISA-Gruppe, machten sich am Montag auf eine Tour durch Senftenberg und gedachten unter anderem dem Leid von Dr. Rudolf Reyersbach.

Als eines der vielen Todesopfer der Novemberpogrome 1938 starb Dr. Rudolf Reyersbach am Morgen des 10. November 1938 auf der Senftenberger Polizeiwache. 1897 geboren, kam der Rechtsanwalt und Notar des Berufes wegen 1925 in die südbrandenburgische Kleinstadt und eröffnete hier eine Kanzlei - in seinem Wohnhaus am Steindamm. Als mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums" allen Jurist*innen jüdischer Herkunft ab 1. April 1933 die Ausübung ihres Berufes verboten wurde, gelang es Reyersbach zunächst, sich dagegen zu wehren, war er doch als Soldat im I. Weltkrieg gewesen. NSDAP-Mitglieder aus Senftenberg denunzierten ihn als "national unzuverlässig" beim Justizministerium, da er der SPD nahe stand und linksorientierte Angeklagte in Prozessen gegen Nazis vertreten hatte. Erneut konnte Dr. Reyersbach seine Wiederzulassung erreichen, da eine ganze Reihe von bekannten Senftenberger Persönlichkeiten ihm in schriftlichen Erklärungen seine "Unbedenklichkeit" bescheinigten.

Jedoch nahmen die Angriffe gegen seine Kanzlei und gegen sein Wohnhaus zu: bereits im März 1933 wurden des Nachts Fensterscheiben eingeworfen. Besonders verheerend war jedoch das Novemberpogrom 1938 in Senftenberg. Am Morgen des 10. November 1938 wurden die als jüdisch markierten Bürger*innen der Stadt aus ihren Wohnungen gezerrt und auf dem Marktplatz zusammengetrieben. Aus Augenzeugenberichten kann man die unvorstellbaren Gewaltexzesse und Demütigungen nur erahnen. Dr. Reyersbach wurde an diesem Tag auf dem Markt fast zu Tode gequält - in aller Öffentlichkeit. Kurz darauf verstarb er 41-jährig auf der Polizeiwache. Seine nicht-jüdische Ehefrau Martha und sein 1931 geborener Sohn Walter überlebten in Deutschland. Seine Mutter Valeska sowie die Schwestern Marianne und Henny wanderten zunächst nach Guatemala aus und lebten später in der Schweiz.

2007 konnten wir für Dr. Rudolf Reyersbach einen STOLPERSTEIN durch Gunter Demnig verlegen lassen - in Anwesenheit seines Sohnes Walter und seiner Familie. Am 30. Januar 2013 wurde dieser STOLPERSTEIN gewaltsam entwendet - die Täter*innen konnten nicht ermittelt werden. Am 9. November 2013 konnten wir den STOLPERSTEIN nachverlegen und freuten uns, dass seine Enkel*innen und Urenkel*innen dazu erneut nach Senftenberg gekommen waren.

Auch Dora Singermann, Ernestine Grünzeug, Siegfried Marcus, sein Bruder Ludwig und dessen Frau Else wurden am Morgen des 10. November 1938 in aller Öffentlichkeit misshandelt und gequält - ebenso wie die 12-jährige Astid Zellner und ihre Eltern Leo Zellner und Herta Röstel. Leo Zellner wurde ins KZ Sachsenhausen verschleppt und seine Frau starb schließlich an den Spätfolgen der Misshandlungen, hatte sie sich während des Pogroms doch schützend vor ihren Mann geworden. 

Mehr Informationen zu den genannten Personen gibt es hier...

 

 

Eröffnung der Ausstellung "Meine jüdischen Eltern, meine polnischen Eltern"

in Anwesenheit der Zeitzeugin Joanna Sobolewska-Pyz (langjährige Vorsitzende der Assoziation "Kinder des Holocaust" in Polen)

anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

eine Kooperation von Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenbrug und der Stadt Senftenberg/Zły Komorow


Montag, 27. Januar 2020, 17 Uhr

Rathaus Senftenberg/Zły Komorow

Markt 1, 01968 Senftenberg/Zły Komorow


in Anwesenheit von Joanna Sobolewska-Pyz, die als dreijähriges jüdisches Kind von einem polnischen Ehepaar 1943 gerettet wurde, indem sie es als ihr eigenes ausgaben 

JOANNA SOBOLEWSKA–PYZ: „Meine leiblichen Eltern müssen gewusst haben, dass sie in den Tod gehen; denn sonst hätten sie mich mitgenommen. (...) Im Alter von 18 Jahren erfuhr ich, dass ich eine Jüdin bin.“


Während der deutschen Okkupation Polens im Zweiten Weltkrieg konnten etwa 5.000 von annähernd einer Million jüdischen Kindern gerettet werden, weil sie von ihren Eltern in die Obhut polnischer Familien gegeben wurden. Die Polinnen und Polen, die sich eines Kindes annahmen, wurden später oft auch seine Eltern. Im Allgemeinen hielten sie die Adoption geheim, einige enthüllten die Wahrheit vor ihrem Tod, andere nahmen sie mit ins Grab.

Die Ausstellung „Meine jüdischen Eltern, meine polnischen Eltern“ porträtiert beispielhaft 15 Personen,  geboren zwischen 1939 und 1942, die die erschütternde Geschichte ihres Lebens erzählen und von der Suche nach Spuren ihrer jüdischen Verwandten, Namen und Geburtsdaten berichten.

Die Ausstellung wurde von der Assoziation „Kinder des Holocaust“, Polen, gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung erarbeitet und im Frühjahr 2015 erstmalig im Museum zur Geschichte der polnischen Juden in Warschau präsentiert. Von Januar bis April 2018 war sie im Landtag Brandenburg zu sehen und nun macht diese sensibel umgesetzte Ausstellung im Rathaus Senftenberg Station.

Die Stadt Senftenberg und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg laden anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung „Meine jüdischen Eltern, meine polnischen Eltern“ am 27. Januar 2020 um 17 Uhr ins Rathaus ein.

Zur Eröffnung sprechen:

  • Teresa Stein (Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Senftenberg/Zły Komorow)
  • Joanna Sobolewska-Pyz (langjährige Vorsitzende der Assoziation „Kinder des Holocaust“ in Polen)
  • Holger Politt (Leiter des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Warschau)

Die Ausstellung kann vom 28. Januar 2020 bis zum 5. März 2020 zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden:

  • Mo 9.00 bis 12.00 und 13.00 bis 16.00 Uhr
  • Di 9.00 bis 12.00 und 13.00 bis 18.00 Uhr
  • Do 9.00 bis 12.00 und 13.00 bis 16.30 Uhr
  • Fr 9.00 bis 12.00 Uhr

Der Eintritt ist frei.


Einladung als PDF-Datei ...

Einladung zur Verlegung von STOLPERSTEINEN für die Familien Jacobowitz und Marcus

Im Herbst 2014 begannen Schülerinnen und Schüler der Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und unterstützt von der Schulsozialarbeiterin Frau Pohl und der Schulleitung das Schicksal zweier Senftenberger Familien zu recherchieren, die sich (zum Teil zumindest) durch eine Flucht aus Deutschland 1933 bzw. 1939 vor dem sicheren Tod retten konnten.

Am 1. Juli 2016 präsentierten die Schülerinnen und Schüler in Anwesenheit des Bürgermeisters der Stadt Senftenberg, Andreas Fredrich, und des Landrates des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze, in der Aula der Kellermann-Oberschule die Ergebnisse ihrer Arbeit und starteten auch einen Spendenaufruf, um die Verlegung von sieben STOLPERSTEINE im Gedenken an das Schicksal der Familien finanzieren zu können.  

Für den 11. November 2016 laden nun die Bernhard-Kellermann-Oberschule, die Stadt Senftenberg und die Arbeitsgruppe "Stolpersteine für Senftenberg" gemeinsam zur Verlegung der STOLPERSTEINE durch den Künstler Gunter Demnig ein. Aus diesem Anlass werden auch Angehörige der Familie Jacobowitz eigens aus Israel anreisen.

Die Veranstaltung am 11. November 2016 beginnt um 15 Uhr im Rathaus der Stadt Senftenberg mit einer Feierstunde, die Verlegung der STOLPERSTEINE für die Familie Jacobowitz findet im Anschluss daran um 16 Uhr auf dem Markt und die Verlegung der STOLPERSTEINE für die Familie Marcus gegen 16.30 Uhr in der Fichtestraße statt.

Alle Interessenten sind herzlich eingeladen.

Zur Einladung als PDF-Datei ...

Schulprojekt präsentiert Stolperstein-Recherchen zu zwei Senftenberger Familien

außerdem: Aufführung der szenischen Lesung "Rutkas Tagebuch" mit Schüler_innen der Bernhard-Kellermann-Oberschule

Die Bernhard-Kellermann-Oberschule Senftenberg und die Arbeitsgruppe "STOLPERSTEINE für Senftenberg" laden sehr herzlich ein zu einer Veranstaltung, die am Freitag, 1. Juli 2016, ab 10 Uhr, in der Aula der Bernhard-Kellermann-Oberschule (Bernhard-Kellermann-Str. 2a, 01968 Senftenberg) stattfinden wird. 

An diesem Vormittag werden Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Recherchen vorstellen, die sie im vergangenen Schuljahr zu den beiden Senftenberger Familien Jacobowitz und Marcus unternommen haben. Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beschäftigten sie sich mit dem Schicksal der beiden Familien, die aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln in der Zeit des Nationalsozialismus diffamiert, ausgegrenzt und verfolgt wurden – und sich durch ihre Flucht nach Palästina bzw. nach China zum Teil noch rechtzeitig retten konnten.

Die Schülerinnen und Schüler werden auch das Vorhaben präsentieren, am 11. November 2016 STOLPERSTEINE zum Gedenken an diese Senftenberger Bürgerinnen und Bürger zu verlegen. 

Im Anschluss an die Präsentation besteht am 1. Juli auch die Möglichkeit, die Aufführung von „Rutkas Tagebuch“ mitzuerleben. Es handelt sich dabei um ein außergewöhnliches Schultheaterprojekt, das ebenfalls an der Bernhard-Kellermann-Oberschule im vergangenen Jahr und mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg realisiert werden konnte. Zwei Schülerinnen und ein Schüler haben sich unter der Regie des Dramaturgen Karl H. Gündel (Dresden) mit den Tagebuchaufzeichnungen des jüdischen Mädchens Rutka Laskier aus dem polnischen Ghetto Będzin auseinandergesetzt und eine szenische Lesung erarbeitet. Die lückenhaften Aufzeichnungen erfassen den Zeitraum zwischen Januar und April 1943. Sie enden abrupt mit dem Abtransport eines Großteils der Familie in das Vernichtungslager Auschwitz. „Rutkas Tagebuch“ ist keine Heldengeschichte, sondern ein Menschenschicksal, das unter bestimmten Bedingungen jedem zustoßen kann. Dieser Gedanke ist auch der dramatische Ansatzpunkt der szenische Lesung: Zwei Mädchen von heute, die durch eine anonyme Macht ihres normalen Alltages beraubt werden, bis sie nur noch Nummern ohne Namen sind.

Der Bürgermeister der Stadt Senftenberg, Andreas Fredrich, wird am 1. Juli als Schirmherr des Projektes „Schule ohne Rassismus“ ebenfalls anwesend sein und zu den Gästen sprechen.

Wer Interesse hat, an der Veranstaltung teilzunehmen, wird sehr freundlich gebeten, sich anzumelden: 

* per E-Mail an stolpersteine.senftenberg@gmx.de oder 

* per Telefon unter 03573-3637715.

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Einladung zur Nachverlegung des STOLPERSTEINS für Dr. Rudolf Reyersbach

(Gedenken an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren in Senftenberg)

Zum Gedenken an den jüdischen Rechtsanwalt und Notar Dr. Rudolf Reyersbach und seine Ermordung im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht 1938 hat der Künstler Gunter Demnig im Juli 2007 in Anwesenheit der Familie einen STOLPERSTEIN vor der letzten frei gewählten Wohnstätte verlegen können. Zu Beginn des Jahres wurde dieser STOLPERSTEIN entwendet, die Täter konnten auch in diesem Fall leider (noch) nicht ermittelt werden.

Den 75. Jahrestag der Reichspogromnacht hat die Arbeitsgruppe "STOLPERSTEINE für Senftenberg" gemeinsam mit der Stadt Senftenberg zum Anlass genommen, eine Neuanfertigung des STOLPERSTEINS am 9. November 2013 vor dem Haus am Steindamm 17 in Senftenberg zu verlegen und so auch an die schrecklichen Ereignisse vor 75 Jahren zu erinnern.

Im Vorfeld der Verlegung wird die Historikerin Dr. Susanne Bennewitz aus den in diesem Jahr von ihr herausgegebenen und kommentierten Briefen von Marianne Reyersbach lesen. Die kleine Schwester von Rudolf Reyersbach, 1907 geboren und in Cottbus aufgewachsen, war 1937 gemeinsam mit ihrer Mutter Valeska und ihrer Schwester Henny nach Guatemala ins Exil gegangen, gerade noch rechtzeitig war ihnen die Flucht aus Deutschland gelungen. Von dort schrieb sie drei Jahre lang ihrem Freund Werner Besch, aufgewachsen in einer Pfarrersfamilie in Altdöbern, Studienkollege und Freund von Rudolf Reyersbach. Die Briefe schildern eindrucksvoll nicht nur die Schwierigkeiten des Neuanfangs im weit entfernten, fremden Land, sondern sie spiegeln auch die Sehnsucht nach Zuhause und die Sorge um das Schicksal der Angehörigen und Freunde in Deutschland.

Die Saarbrücker Historikerin kam zufällig in den Besitz der alten Luftpostbriefe aus einem westdeutschen Nachlass und recherchierte dann zu den Lebensläufen in der Lausitz, Guatemala und der Schweiz. Dank der Stolperstein-Initiativen in Cottbus und Senftenberg konnte sie wieder Kontakt zur Reyersbach-Familie herstellen und sogar Einblick in alte Fotoalben aus Guatemala erhalten.

Der Eintritt zur Veranstaltung im Rathaus ist frei. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen.

Die Veranstaltung am 9. November 2013 beginnt um 14 Uhr im Rathaus, die eigentliche Verlegung des STOLPERSTEINS findet ca. 15.30 Uhr statt.

Einladung als PDF-Datei ...

Es besteht an diesem Tag auch die Möglichkeit, das Buch käuflich zu erwerben:

Susanne Bennewitz (Hg.)

Ein Zimmer in den Tropen. Briefe aus dem Exil in Guatemala (1937-1940)

Berlin: Hentrich & Hentrich 2013

256 Seiten, Klappenbroschur, 30 Abbildungen

ISBN: 978-3-942271-79-0

19,90 €

Bericht zur Veranstaltung

„Hier wohnte Dr. Rudolf Reyersbach, Jg. 1897, ermordet 10.11.1938, Marktplatz Senftenberg“ – so lautet die Inschrift des Stolpersteines für den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Rudolf Reyersbach, der am 9. November vor seinem ehemaligen Wohn- und Kanzleihaus am Steindamm 17 unter großer Anteilnahme verlegt wurde. (Foto: Bürgelt)

Gedenkveranstaltung im Senftenberger Rathaus zum 75. Jahrestag der antijüdischen Novemberpogrome 1938
Lesung und Nachverlegung eines Stolpersteines zum Gedenken an den angesehenen jüdischen Rechtsanwalt Dr. Rudolf Reyersbach


Die Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Senftenberg“ hatte gemeinsam mit der Stadt Senftenberg zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der antijüdischen Pogrome im November 1938 eingeladen.

In dieser von den Nationalsozialisten zentral vorbereiten und organisierten Gewaltaktion wurden innerhalb weniger Tage eine große Zahl jüdischer Geschäfte zerstört, Synagogen und Gebeträume angezündet, jüdische Friedhöfe geschändet und Wohnungen geplündert. Und vor allem: Menschen gedemütigt, misshandelt, in Konzentrationslager verschleppt, ermordet oder in den Tod getrieben. Der von den Nazis propagierte Anlass, die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris durch Herschel Grynszpan, nachdem er von der Deportation seiner Eltern erfahren hatte, war lediglich ein Vorwand – die Novemberpogrome zwischen dem 7. und 13. November sollten nämlich die Zwangsenteignungen, die sogenannte „Arisierung“ jüdischen Besitzes, beschleunigen. Die Zeitungen wurden angewiesen, die Meldung über das Attentat von Paris „in größter Form herauszustellen“ und besonders „darauf hinzuweisen, dass das Attentat die schwersten Folgen für die Juden in Deutschland haben muss“. Von Seiten des Reichspropagandaministeriums wurden Telegramme an die untergeordneten Behörden und Gestapostellen geschickt, in denen es z.B. hieß: „Sämtliche jüdische Geschäfte sind sofort von SA-Männern zu zerstören. Nach der Zerstörung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die dafür zu sorgen hat, dass keinerlei Wertgegenstände entwendet werden können. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Sämtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort über den Haufen zu schießen.“

Auch in Senftenberg zogen am Morgen des 10. November 1938, ein Mittwoch, zum Teil angetrunkene SA-Männer durch die Stadt und holten jüdische Bürgerinnen und Bürger, oder diejenigen, die entsprechend der Nürnberger Gesetze dazu gemacht wurden, brutal aus ihren Wohnungen und trieben sie auf dem Markt zusammen: die 63-jährige Dora Singermann aus der Forststraße; den 61-jährigen Leo Zellner aus der Eisenbahnstraße, seine Lebensgefährtin Herta Röstel, die gemeinsame Tochter Astrid; die 40-jährige Nichte von Nathan Klein, Ernestine Grünzeug, aus der Bahnhofstraße; den 56-jährigen Siegfried Marcus aus der Fichtestraße, seinen drei Jahre jüngerer Bruder Ludwig und dessen Frau und den 41-jährigen jüdischen Rechtsanwalt und Notar Dr. Rudolf Reyersbach.

Etwa 90 Menschen waren am Samstagnachmittag gekommen, um in Anwesenheit der Enkelin von Rudolf Reyersbach und ihren Kindern den ursprünglich im Juli 2007 durch den Künstler Gunter Demnig verlegten Stolperstein nachzuverlegen, nachdem er zu Jahresbeginn entwendet worden war.

Neben anderen Abgeordneten waren auch die linken Fraktionsvorsitzenden Wolf-Peter Hannig (Stadt) und Rainer Vogel (Kreis) sowie der linke Landtagsabgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann bereits während der Lesung im Senftenberger Rathaus anwesend, bei der nach einer Begrüßung durch die stellvertretende Bürgermeisterin Teresa Melzer Eva Klein von der Stolperstein-Arbeitsgruppe und die Saarbrücker Historikerin Dr. Susanne Bennewitz aus Briefen von Marianne Reyersbach aus derem Exil in Guatemala lasen. Im Unterschied zu Rudolf und seiner Familie war Marianne 1937 gemeinsam mit ihrer Schwester Henny und der Mutter Valeska die Ausreise von Cottbus nach Lateinamerika gelungen – gerade noch rechtzeitig. Drei Jahre lang schrieb sie ihrem Freund Werner Besch, aufgewachsen in einer Pfarrersfamilie in Altdöbern, Studienkollege und Freund von Rudolf Reyersbach. Die Briefe schildern eindrucksvoll nicht nur die Schwierigkeiten des Neuanfangs im weit entfernten, fremden Land, sondern spiegeln auch die Sehnsucht nach Zuhause und die Sorge um das Schicksal der Angehörigen und Freunde in Deutschland.

Zu den Geschehnissen des 10. November 1938 in Senftenberg gibt es leider nicht sehr viele authentische Quellen. Vermutlich wurde auch viel zu wenig danach gefragt. Die Lesung und insbesondere das Gespräch mit Senftenberger Bürgerinnen und Bürgern im Anschluss machte deutlich, dass jeder Hinweis wichtig ist, um das manchmal so abstrakte historische Ereignis ins Lokale zu holen und uns das eigentlich Unvorstellbare doch vorstellbar zu machen.

 

Herzliche Einladung zur erneuten Verlegung von zwei STOLPERSTEINEN

im Rahmen der Gedenkfeier der Stadt Senftenberg

Im Juli 2007 und im März 2011 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Anregung der Arbeitsgruppe sogenannte STOLPERSTEINE in Senftenberg. Insgesamt 14 kleine Messingtafeln erinnern an einige der Orte im Stadtgebiet, an denen Senftenberger Bürgerinnen und Bürger gelebt haben, die zwischen 1933 und 1945 Opfer nationalsozialistisch motivierter Gewalt geworden sind, aus religiösen, politischen oder anderen Gründen entrechtet, verfolgt, getötet wurden. In den überwiegenden Fällen wurden die Stolpersteine vor der letzten selbstgewählten Wohnung in den Gehweg eingelassen, mit der Inschrift „Hier wohnte...“. Gunter Demnig, der Initiator dieser europaweiten Aktion, sagt: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Bei der Verlegung 2011 haben wir mit den STOLPERSTEINEN auch an Marianne Seidel und Dora Singermann erinnert - symbolisch für den abgebaggerten Ortsteil Senftenberg-Flur, in dem sie wohnten, auf dem Aussichtspunkt Reppister Höhe.

Vor einigen Monaten sind beide STOLPERSTEINE dort entwendet worden; die Täter konnten leider nicht ermittelt werden. Glücklicherweise ist die Frauengruppe der Industrie-gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IGBCE) auf uns aufmerksam geworden und hat mit viel Engagement Geld gesammelt, um nun eine erneute Verlegung der beiden STOLPERSTEINE durchführen zu können.
Die Stadt Senftenberg hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, dies mit ihrer Gedenkveranstaltung zum 27. Januar zu verbinden. Nach einer Ansprache durch den Bürgermeister Andreas Fredrich und der Vorstellung der Schicksale von Marianne Seidel und Dora Singermann im Rathaus wird die erneute Verlegung der beiden STOLPERSTEINE auf dem Markt stattfinden.

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Einladung zur Verlegung von acht weiteren STOLPERSTEINEN

Seit dem Frühjahr 2006 erforscht die Arbeitsgruppe „STOLPERSTEINE für Senftenberg“ (bestehend aus engagierten Einzelpersonen, Vertretern der Evangelischen Kirchgemeinde, der Stadt Senftenberg, der NEUEN BÜHNE Senftenberg und der Rosa-Luxemburg-Stiftung) in akribischer Kleinarbeit Namen, Lebensdaten und Schicksale der Opfer.

Am 22. März 2011 können zum Gedenken an acht weitere Personen und ihr Schicksal erneut STOLPERSTEINE in Senftenberg verlegt werden:

  • 12.00 Uhr: Aussichtspunkt Reppist (Zufahrt über Spremberger Straße)
    Verlegung der STOLPERSTEINE für MARIANNE SEIDEL und DORA SINGERMANN
  • ca.12.30 Uhr: Eisenbahnstr. 20
    Verlegung der STOLPERSTEINE für HERTA RÖSTEL und ASTRID ZELLNER
  • ca. 13.00 Uhr: Bahnhofstr. 23
    Verlegung der STOLPERSTEINE für NATHAN KLEIN und ERNESTINE GRÜNZEUG
  • ca. 13.20 Uhr: Bahnhofstr. 22
    Verlegung des STOLPERSTEINS für ROSALIE GOLDEMANN
  • ca. 13.50 Uhr: Markt, Ecke Schmiedestraße
    Verlegung des STOLPERSTEINS für HERBERT LOEWY
  • 14.00 Uhr: Rathaus Feierstunde
    mit dem Bürgermeister Andreas Fredrich, dem Künstler Gunter Demnig und der Arbeitsgruppe
    dankenswerterweise gestaltet durch die NEUE BÜHNE Senftenberg und die Musikschule des Landkreises OSL

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Einladung zur Verlegung von sechs STOLPERSTEINEN

* für Siegfried Marcus

* für Otto Müller

* für Wladislaus Pawlitzki

* für Dr. Rudolf Reyersbach

* für Meta Sachs

* für Leo Zellner

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