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Sorben / Wenden

WITAJ-Projekt zum Erhalt und zur Verbreitung der sorbischen Sprachen

                  

POSITIONEN, REDEN und KONZEPTE von GERD-RÜDIGER HOFFMANN

                  

WITAJ: Alles wird gut?

Der Abgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann bekam von einer Elternvertreterin des Niedersorbischen Gymnasiums einen Protest-Button überreicht.

Gestern fand eine außerordentliche Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten des brandenburgischen Landtages in Potsdam statt. Anlass waren erstens die Ankündigung aus dem Bildungsministerium, dass es Einschränkungen beim Witaj-Unterricht und damit Kürzungen auf dem wichtigsten Feld der durch die Landesverfassung garantierten Förderung der Sorben/Wenden, nämlich der Sprachförderung, geben wird und zweitens das Durcheinander sowie der schlechte Stil der Informationspolitik des Ministeriums. Letzteres bedauerte die Ministerin und versprach Aufklärung ministeriumsintern. Das ist zu begrüßen und ein Schritt in Richtung Dialog. In der Sache allerdings war wenig Änderung zu erkennen, obwohl Koalitionsfraktionen und Bildungsministerium einheitlich lobten, dass es gelungen sei, „die in der vergangenen Woche entstandenen Irritationen abzubauen“.

Der Lausitzer Landtagsabgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (DIE LINKE, fraktionslos) räumt ein, dass ein kleiner Schritt für ein besseres Klima getan wurde, erklärt aber dennoch:

„Mein Eindruck ist, dass in diesem Ministerium das Grundverständnis dafür fehlt, dass Sorben/Wenden-Politik Minderheitenpolitik im Sinne entsprechender UNESCO-Dokumente und europäischer Vereinbarungen ist. Nach diesen internationalen Vereinbarungen und Dokumenten ist es unmöglich, die Einrichtung von Lerngruppen oder Kursen an eine Quote zu binden, in welchem schulischen Sprachprojekt oder für das Sorbische/Wendische relevante Unterrichtsfach auch immer. Es zeichnet doch die brandenburgische Minderheitenpolitik aus, dass die Minderheit Sorben/Wenden eben keine sich rechnende Quote nachweisen muss, um gefördert zu werden. Das ist Verfassungsgrundsatz. Das kann auch keine Verwaltungsanordnung außer Kraft setzen.

Für mich bleiben Zweifel, dass sich in der Sache etwas ändert. Aber wenn sich der Ton der Mitarbeiter gegenüber den Mitgliedern des Sorben/Wenden-Rates änderte, dann wäre das bereits ein Gewinn. Und wenn es demnächst einen vernünftigen Dialog gäbe, wäre das auch nicht zuletzt ein Ergebnis dieser sehr emotionalen Sitzung.

Richtig ist, dass Witaj gründlich evaluiert werden muss. Das hat jetzt auch die Ministerin erkannt. Aber warum wurde dann ein entsprechender Antrag im Landtag abgelehnt?

Es gibt Probleme, das Sorbische/Wendische in hoher Qualität weiterhin in Brandenburg zu unterrichten. Ein Problem ist vor allem der Mangel an gut ausgebildeten Lehrkräften. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Neuordnung der Hochschullandschaft in der Niederlausitz wäre es eine wirkliche Innovation, darüber zu sprechen, ob zu den neuen Aufgaben der Universität nicht auch die Ausbildung von Lehrkräften in Niedersorbisch gehören sollte – durchaus in Kooperation mit den Universitäten Leipzig und Potsdam. Das ewige Klagen darüber, dass die Sorabistikausbildung in Leipzig für das Niedersorbische uneffektiv sei, hat ja schließlich bisher nicht geholfen.“


                  

Pressemitteilung von Gerd-Rüdiger Hoffmann

zur Weiterführung des Witaj-Projekts und zum bilingualen Unterricht

Angesichts der Diskussionen um eine Kürzung beim Witaj-Projekt sowie der Angleichung der Klassenstärkenvorgaben beim Sorbisch-Unterricht, erklärt der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann seine Unterstützung für die Position des Sorben/Wenden-Rates und versichert, sich für die Weiterführung des Witaj-Unterrichts und eine Erweiterung des bilingualen Unterrichts einzusetzen 

„Witaj“ heißt Willkommen. Ob Vertretern des brandenburgischen Bildungsministeriums dieses einmalige und sehr erfolgreiche Programm zur Belebung der niedersorbischen Sprache wirklich willkommen ist, durfte nach einigen Auftritten im Sorben/Wenden-Rat bereits bezweifelt werden. Immer wieder hatten dort Mitarbeiter dieses Ministeriums demonstriert, dass sie die Sorben/Wenden am liebsten in einer Rolle von Bittstellern sehen würden. Es gab sogar Versuche, Landtagsabgeordnete zu reglementieren, die daran erinnerten, dass die Förderung der sorbisch/wendischen Kultur und Sprache in Brandenburg Verfassungsaufgabe ist.

Mit der Ankündigung, die Witaj-Klassen in den Jahrgängen 1 und 2 abzuschaffen und den bilingualen Unterricht zu kürzen, stürmt dieses Ministerium den Gipfel der Unverfrorenheit. Und wenn es heißt, dass doch nichts abgeschafft würde, sondern wegen auferlegter Einsparmaßnahmen lediglich eine Mindestteilnehmerzahl von 12 Kindern pro Klasse festgelegt werden müsse, dann wird es regelrecht zynisch. Denn der Sinn der verfassungsmäßig verankerten Minderheitenförderung ist doch wohl, dass hier das Kriterium Mehrheit oder Quote nicht angewendet werden dürfen. Von einer Minderheit zu verlangen, dass sie für ein spezielles Unterrichtsprogramm Teilnehmerzahlen wie eine Bevölkerungsmehrheit bringen muss, ist absurd. Diese Eigenmächtigkeit der Verwaltungsebene muss schnellstens durch die politische Ebene wieder zurückgenommen werden. Denn eine Entscheidung der Ministerin kann es nicht sein. Sie ist an den Koalitionsvertrag gebunden, der die Förderung des Niedersorbischen festschreibt.“

Hintergrund: Nach Pressinformationen teilten am 4. Mai 2012 Ministerialbeamte dem Witaj-Sprachzentrum in Cottbus mit, dass aus Kostengründen massive Einschnitte beim Witaj-Unterricht der Klassen 1 und 2 und darüber hinaus im bilingualen Unterricht geplant seien. Später hieß es einschränkend, dass es keine Einschnitte geben werde, der Zugang zum Sorbisch/Wendisch-Unterricht nicht begrenzt werde, allerdings der Witaj-Unterricht jahrgangsübergreifend stattfinde.

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Die Koalition steht für eine integrative Minderheitenpolitik, die die Kulturen und Sprachen der ethnischen Minderheiten wie die Regionalsprachen als Bereicherung im Zusammenleben von Menschen in unserem Land und weltweit betrachtet. Die Förderung der Stiftung für das sorbische Volk wird zusammen mit dem Bund und dem Freistaat Sachsen fortgesetzt.“

Am 10. Mai 2012 findet eine außerordentliche öffentliche Sitzung des Sorben/Wenden-Rates im Potsdamer Landtag statt. Es wird erwartet, dass die Ministerin alles unternimmt, um den relativ guten Ruf der brandenburgischen Sorben/Wenden-Politik wieder herzustellen.

Der Abgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann wird an dieser Sitzung teilnehmen.

                  

Offener Brief an Ministerin Münch

Auf einer Schulleitertagung in der ersten Maiwoche gab das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg Maßnahmen bekannt, welche radikale Kürzungen im sorbischen Unterricht für das nächste Schuljahr zur Folge haben werden.

In einem offenen Brief an die zuständige Ministerin Martina Münch sprechen sich deutsche Künstler/innen, Journalist/innen, Anwält/innen und Pädagog/innen gegen diese Kürzungen aus und fordern eine wissenschaftliche Untersuchung des nunmehr zehnjährigen „WITAJ-Programms“ und eine anschließende Diskussion mit den zuständigen sorbischen/wendischen Vertretern über die Zukunft des Projektes.

Der Brief (zum Lesen bitte auf die Grafik klicken) kann unterzeichnet werden, Ansprechpartner ist 

Michael Apel (Spremberger Straße 40, 03046 Cottbus; E-Mail). 


                  

Pressemitteilung von Gerd-Rüdiger Hoffmann

zur Weiterführung des Witaj-Projekts und zum bilingualen Unterricht

Angesichts der Diskussionen um eine Kürzung beim Witaj-Projekt sowie der Angleichung der Klassenstärkenvorgaben beim Sorbisch-Unterricht, erklärt der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann seine Unterstützung für die Position des Sorben/Wenden-Rates und versichert, sich für die Weiterführung des Witaj-Unterrichts und eine Erweiterung des bilingualen Unterrichts einzusetzen 

„Witaj“ heißt Willkommen. Ob Vertretern des brandenburgischen Bildungsministeriums dieses einmalige und sehr erfolgreiche Programm zur Belebung der niedersorbischen Sprache wirklich willkommen ist, durfte nach einigen Auftritten im Sorben/Wenden-Rat bereits bezweifelt werden. Immer wieder hatten dort Mitarbeiter dieses Ministeriums demonstriert, dass sie die Sorben/Wenden am liebsten in einer Rolle von Bittstellern sehen würden. Es gab sogar Versuche, Landtagsabgeordnete zu reglementieren, die daran erinnerten, dass die Förderung der sorbisch/wendischen Kultur und Sprache in Brandenburg Verfassungsaufgabe ist.

Mit der Ankündigung, die Witaj-Klassen in den Jahrgängen 1 und 2 abzuschaffen und den bilingualen Unterricht zu kürzen, stürmt dieses Ministerium den Gipfel der Unverfrorenheit. Und wenn es heißt, dass doch nichts abgeschafft würde, sondern wegen auferlegter Einsparmaßnahmen lediglich eine Mindestteilnehmerzahl von 12 Kindern pro Klasse festgelegt werden müsse, dann wird es regelrecht zynisch. Denn der Sinn der verfassungsmäßig verankerten Minderheitenförderung ist doch wohl, dass hier das Kriterium Mehrheit oder Quote nicht angewendet werden dürfen. Von einer Minderheit zu verlangen, dass sie für ein spezielles Unterrichtsprogramm Teilnehmerzahlen wie eine Bevölkerungsmehrheit bringen muss, ist absurd. Diese Eigenmächtigkeit der Verwaltungsebene muss schnellstens durch die politische Ebene wieder zurückgenommen werden. Denn eine Entscheidung der Ministerin kann es nicht sein. Sie ist an den Koalitionsvertrag gebunden, der die Förderung des Niedersorbischen festschreibt.“

Hintergrund: Nach Pressinformationen teilten am 4. Mai 2012 Ministerialbeamte dem Witaj-Sprachzentrum in Cottbus mit, dass aus Kostengründen massive Einschnitte beim Witaj-Unterricht der Klassen 1 und 2 und darüber hinaus im bilingualen Unterricht geplant seien. Später hieß es einschränkend, dass es keine Einschnitte geben werde, der Zugang zum Sorbisch/Wendisch-Unterricht nicht begrenzt werde, allerdings der Witaj-Unterricht jahrgangsübergreifend stattfinde.

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Die Koalition steht für eine integrative Minderheitenpolitik, die die Kulturen und Sprachen der ethnischen Minderheiten wie die Regionalsprachen als Bereicherung im Zusammenleben von Menschen in unserem Land und weltweit betrachtet. Die Förderung der Stiftung für das sorbische Volk wird zusammen mit dem Bund und dem Freistaat Sachsen fortgesetzt.“

Am 10. Mai 2012 findet eine außerordentliche öffentliche Sitzung des Sorben/Wenden-Rates im Potsdamer Landtag statt. Es wird erwartet, dass die Ministerin alles unternimmt, um den relativ guten Ruf der brandenburgischen Sorben/Wenden-Politik wieder herzustellen.

Der Abgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann wird an dieser Sitzung teilnehmen.

                  

Rede von Gerd-Rüdiger Hoffmann

zu den Anträgen von CDU sowie SPD und LINKE

Der Landtagsabgeordnete Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann hat am Mittwochnachmittag zum Antrag der CDU "WITAJ-Projekt analysieren und evaluieren" sowie dem dazugehörigen Entschließungsantrag der SPD/LINKE-Koalition gesprochen und daran erinnert, dass es eine alte Forderung der Linken ist, die Wirksamkeit der Bildungsangebote in niedersorbischer Sprache genauer zu untersuchen. Dabei dürfe es nicht nur um Bewahrung, sondern auch um Förderung der Sprache gehen. Zugestimmt hat er schließlich beiden Anträgen - in der Hoffnung, dass die Richtung stimmt, auch wenn das Potential an Engagement, Kompetenz und Erfahrung in Sorben/Wenden-Angelegenheiten der LINKEN im Entschließungsantrag nicht wirklich zur Geltung kommt.

zur Rede als Audio-Datei (Live-Berichterstattung des rbb)

zur Rede als Textdatei (PDF-Dokument)

zum ausführlicheren Positionspapier (PDF-Dokument)

 

                  

DOKUMENTE und andere MATERIALIEN

                  

Sorbischer Liederpoet Bernd Pittkunings zu den geplanten Kürzungen

Artikel in der Lausitzer Rundschau von Andrea Hilscher


                  

Stellungnahme des Domowina-Bundesvorstands zu geplanten Kürzungen im sorbischen/wendischen Bildungsbereich


                  

Pressemitteilung von Jürgen Maresch (Landtagsfraktion DIE LINKE)

zur außerordentlichen Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten


                  

Pressemitteilung der Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

zur außerordentlichen Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten

Bildungsministerin Martina Münch hat im Rahmen der heutigen Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten im Landtag Brandenburg erneut bekräftigt, dass das Witaj-Projekt nicht gefährdet ist. „Der Witaj-Unterricht ist von zentraler Bedeutung für die Sicherung der sorbisch/wendischen Kultur. Jeder Schüler, der an einem der sechs Witaj-Standorte daran teilnehmen will, wird dazu
eine Möglichkeit erhalten“, so Münch. „Einziger Unterschied: Einige Angebote werden ab dem kommenden Schuljahr 2012/13 anders organisiert, beispielsweise jahrgangsübergreifend“, erläutert Münch. „Der Grund: Wir wollen die vorhandenen, begrenzten Personalressourcen im Land verantwortlich und effizient einsetzen. Dazu gehört auch, dass wir alternative Angebote entwickeln, wenn die Zahl der Schülerinnen und Schüler für eine altershomogene Lerngruppe deutlich zu gering ist. Hier gilt eine Richtgröße von zwölf Schülerinnen und Schülern. Kann diese Richtgröße nicht erreicht werden, werden wir im Einzelfall angemessene Lösungen finden.“

„Parallel dazu wollen wir die qualitative Weiterentwicklung und Stärkung des bilingualen Sorbisch/Wendisch-Unterrichts vorantreiben“, führt Münch aus. „Dazu werden wir in den kommenden Wochen eine externe Evaluation starten. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden wir gemeinsam mit den Schulen und den sorbisch/wendischen Gremien diskutieren, wie das Witaj-Projekt weiterentwickelt wird.“

Hintergrund: Witaj (sorbisch für Willkommen) ist ein Projekt, das sich für die zweisprachige Betreuung und Ausbildung in
sorbisch/wendischer und deutscher Sprache an Kindergärten und Schulen in der Lausitz einsetzt.


                  

Stellungnahme des Landkreises Spree-Neiße zu Witaj-Kürzungen

Ausschuss für Sorbische / Wendische Angelegenheiten


                  

Pressemitteilung von Wolfgang Neskovic (Bundestagsfraktion DIE LINKE)


                  

Schreiben des Domowina Regionalverbandes Niederlausitz an die Ministerin Münch


                  

Stellungnahme der Stadt Cottbus zu Witaj-Kürzungen


                  

Schreiben des Witaj-Sprachzentrums Cottbus an die Ministerin Münch


                  

Pressemitteilung der AG Ethnische Minderheiten bei der Partei DIE LINKE


                  

Debatte im Plenum

zu den Anträgen von CDU sowie SPD und LINKE

Zum Lesen: Grafik klicken

Plenarprotokoll 5/48

5. Legislaturperiode - 48. Landtagssitzung

TOP 11: WITAJ-Projekt analysieren und evaluieren

Redner/innen: Prof. Dr. Michael Schierack (CDU) S. 4043-4044; Jutta Lieske (SPD) S. 4044-4045; Jens Lipsdorf (FDP) S. 4045; Jürgen Maresch (DIE LINKE) S. 4045-4046; Sabine Niels (GRÜNE/B90) S. 4046-4047; Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann (fraktionslos) S. 4047-4048; Dr. Martina Münch (Ministerin für Bildung, Jugend und Sport) S. 4048-4049


                  

Entschließungsantrag von SPD und LINKE

Die Wirksamkeit von schulischen Sorbisch/Wendisch-Angeboten

Zum Lesen: Grafik klicken

DS 5/4674

verhandelt auf der Plenarsitzung am 25.01.2012

                  

Antrag der CDU

WITAJ-Projekt analysieren und evaluieren

Zum Lesen: Grafik klicken

DS 5/4631

verhandelt auf der Plenarsitzung am 25.01.2012