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Rohkunstbau - Ausstellung zeitgenössischer Kunst

ROHKUNSTBAU ist eine seit 1994 jährlich stattfindende Ausstellung ortsbezogener, zeitgenössischer Kunst - die an außergewöhnlichen Orten stattfindet - zunächst in Groß Leuthen im Spreewald, dann an verschiedenen Gebäuden in und um Potsdam, so zuletzt im Jahr 2011 auf Schloss Marquardt bei Potsdam.

Anfang 2012 entschied des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg überraschend, keine finanzielle Unterstützung für eines der größten Kulturevents im Land mehr zu gewährleisten - obgleich dieses seit vielen Jahren mit großem ehrenamtlichen Engagement organsierte Ereignis geradezu idealtypisch die Kriterien erfüllt, die die "Kulturpolitische Strategie" als maßgeblich für die Kulturförderpolitik des Landes bestimmt. Ganz abgesehen von der herausragenden künstlerischen Bedeutung. 


                  

Redebeitrag von Gerd-Rüdiger Hoffmann

im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur

zum Tagesordnungspunkt 2:Information des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur zur Zukunft des Projekts ROHKUNSTBAU

Protokollauszug, Seite 57

Abgeordneter Dr. Hoffmann (fraktionslos) räumt ein, dass es in der Vergangenheit gewisse Ungeschicktheiten seitens ROHKUNSTBAU gegeben habe. Gleichwohl dürfe nicht vergessen werden, dass das Projekt den strategischen Zielsetzungen in der Kulturpolitik des Landes Brandenburg in bester Weise entspreche. Es gebe viele Argumente dafür, dass ROHKUNSTBAU ein Teil der kulturpolitischen Strategie sein sollte. Zum einen stelle das Projekt ein gutes Beispiel dafür dar, wie regionale Identität und für die Allgemeinheit in der Regel als sperrig wahrgenommene Bildende Kunst, Kulturtourismus und internationale Ausstrahlung in Einklang gebracht werden könnten. Es sei nicht immer der Fall, das Bildende Kunst und noch dazu moderne Bildende Kunst so viele Menschen anziehe.

ROHKUNSTBAU bilde des Weiteren ein Beispiel dafür, dass private Förderer in größerem Maße als anderswo bereit seien, finanzielle Unterstützung zu leisten, wenn zuvor die öffentliche Hand signalisiert habe, dass sie das Projekt unterstütze. Schließlich sei ROHKUNSTBAU ein gutes Beispiel dafür, welchen Anteil die Bildende Kunst haben könne, wenn es darum gehe, im Bunde mit Kunstmuseen, die in öffentlicher Hand lägen, und privaten Kunsthallen bestimmte Aufgaben zu übernehmen.

Abgeordneter Dr. Hoffmann unterstreicht abschließend die Einzigartigkeit des Konzeptes, bei dem spezielle Themen an einem konkreten Ort, der immer Bestandteil der Aktionen sei, mit moderner Bildender Kunst zusammengeführt würden. Dies alles finde zudem im ländlichen Raum statt.


Die gesamte Debatte ist durch Klick auf nebenstehende Grafik einsehbar.

                  

Pressemitteilung von Gerd-Rüdiger Hoffmann

zur Tagesordnung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Auf seiner 30. Sitzung wird sich am Mittwoch der Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kultur auf Initiative des Abgeordneten Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann im Tagesordnungspunkt 2 mit der Zukunft des Projekts ROHKUNSTBAU beschäftigen. Dazu erklärt der Abgeordnete:

„Es kam für alle recht überraschend, als feststand, dass das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur 2012 keine finanzielle Unterstützung für eines der größten Kulturevents im Lande geben kann. ROHKUNSTBAU könne in diesem Jahr nicht gefördert werden, da es sich bei der 2012er Ausstellung um kein ‚kulturtouristisches Highlight mit übergeordnetem Landesinteresse’ handeln würde. In einem Brief vom 11. April 2012 an die zuständige Ministerin haben Akteure und Unterstützer ihre Position dargelegt und darum gebeten, ‚dieses einzigartige Projekt auch im Jahr 2012 und in den kommenden Jahren zu fördern’. Die über 1300 Unterschriften halfen nicht. Damit musste die XIX. Ausstellung ROHKUNSTBAU abgesagt werden. Vorläufig sieht es auch so aus, als wäre die Zukunft dieses Projektes insgesamt gefährdet.

Mit meinem Antrag, das Thema im Kulturausschuss des Landtags zu behandeln, geht es mir überhaupt nicht darum, nach Schuldigen zu suchen oder sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu üben. Hier wurden sicherlich Fehler gemacht, Missverständnisse und ungeschicktes Agieren gab es – wohl auf beiden Seiten.

Mir geht es darum, dass die Aktion ROHKUNSTBAU im nächsten Jahr wieder stattfinden kann, weil sie Anerkennung durch das Land erfährt und mit 60.000 bis 80.000 Euro gefördert wird.

Darüber hinausgehend ist das Projekt ROHKUNSTBAU exemplarisch für die gegenwärtig diskutierte Kulturpolitische Strategie des Landes Brandenburg.

  1. ROHKUNSTBAU ist seit Gründung 1994 im Spreewald ein exzellentes Beispiel dafür, wie regionale Identität, neue (und damit für die Allgemeinheit als sperrig wahrgenommene) bildende Kunst, Kulturtourismus und internationale Ausstrahlung in Einklang gebracht werden können.
  2. ROHKUNSTBAU ist ein Beispiel dafür, dass private Förderer durchaus bereit sind, größere finanzielle Unterstützung zu leisten, wenn zuvor die öffentliche Hand – hier Bund und Land – ihr Interesse durch zuverlässige Unterstützung demonstriert haben.
  3. ROHKUNSTBAU als Modellprojekt kann in die Debatte eingreifen, wenn es in der bildenden Kunst darum geht, im Bunde mit Kunstmuseen in öffentlicher Hand dafür zu sorgen, dass auch Neues und bisher Unbekanntes präsentiert und vermittelt werden können, ergänzt durch Kunsthallen und Galerien privater Sammler, die in der Regel vor allem Bekanntes und auf dem Kunstmarkte und im allgemeinen Geschmack Anerkanntes präsentieren wollen.
  4. ROHKUNSTBAU könnte zu einem Modellprojekt der Kulturwirtschaft und der Zusammenarbeit öffentlicher und privater Förderung weiterentwickelt werden und damit noch stärker als Standortfaktor wirken.
  5. ROHKUNSTBAU verfolgt ein einzigartiges Konzept, das ein spezielles Thema, einen konkreten Ort und moderne bildende Kunst zu einer Einheit zusammenführt und vom internationalen Fachpublikum wie auch von der Bevölkerung angenommen wird, obwohl das Ergebnis im ländlichen Raum und außerhalb des gängigen Kunstbetriebes präsentiert wird.

Das allein sind nach meiner Auffassung Gründe, warum sich der für Kunst und Kultur zuständige Fachausschuss mit dem Thema Förderung des Projektes ROHKUNSTBAU befassen sollte.“


                  

Potsdam-Sommer ohne Rohkunstbau

von Heidi Jäger, erschienen in Potsdamer Neueste Nachrichten

am 21. April 2012, auf Seite 3

zitiert von http://www.pnn.de/potsdam-kultur/641664/

Land hat Finanzierung des Kunstprojekts Rohkunstbau gestrichen / Petition an Ministerin Kunst

Das Projekt Rohkunstbau steht vor dem Aus. Das in den vergangenen fünf Sommern die Stadt Potsdam bereichernde internationale Aushängeschild zeitgenössischer Bildender Kunst erhält vom brandenburgischen Kulturministerium keine Förderung mehr. Bislang hatte das Ministerium das Projekt jährlich in Höhe von 60 000 Euro unterstützt. „Diese Gelder sind niemals als Ausstellungs-, sondern als Geschäftsstellenfinanzierung gedacht gewesen“, sagte Pressesprecher Heinz Georg Moek auf PNN-Nachfrage. „Die über zehn Jahre gewährte Zuwendung sollte Rohkunstbau in die Lage versetzen, Förderpartner und Drittmittel zu gewinnen und eine nachhaltige Förderstruktur aufzubauen. Das wurde leider nicht erreicht.“ Stattdessen seien große Sponsoren und Förderer abgesprungen, wie die Bundeskulturstiftung, die Europäische Union oder der Ostdeutsche Sparkassenverband. Wie Moek betonte, belief sich der ursprüngliche Rohkunstbau-Etat auf 300 000 Euro. „In diesem Jahr sind es nur noch 120 000 Euro. Der Antrag sah vor, dass das Ministerium faktisch der einzige Förderer ist, also eine extrem beschnittene Version. Das ist eine Sparvariante, von der man sagen muss, dass sie die einst durchaus beachtete Sichtbarkeit von Rohkunstbau über Landesgrenzen hinaus nicht mehr aufweisen würde.“ Auch die kulturtouristische Bedeutung habe sein Haus an dieser Stelle nicht mehr gesehen, so der Ministeriumssprecher.

Arvid Boellert, Vorsitzender des Vereins der Freunde von Rohkunstbau e.V., widerspricht der Aussage des Ministeriums und betont, dass sich der Etat noch nie auf 300 000 Euro belaufen hatte. „Die Absage des Kulturministeriums ist ein Schlag ins Gesicht des ehrenamtlichen Engagements im Land Brandenburg, ja in ganz Deutschland“, betonte er.

In einer Online-Petition an die Kulturministerin Sabine Kunst, die bereits von über 1000 Unterstützern unterzeichnet wurde, dringt die Heinrich-Böll-Stiftung als Träger des für dieses Jahr geplanten 19. Rohkunstbau–Projekts, die Entscheidung zu überdenken. „Sollte es keine öffentliche Förderung vom Ministerium geben, wird es in diesem Jahr nicht realisiert werden können, womit auch die Weiterführung in den kommenden Jahren gefährdet ist“, heißt es in der Petition.

In einer Pressemitteilung vom gestrigen Freitag unterstreicht die Stiftung, dass damit ein über die Grenzen von Brandenburg hinaus bekanntes, seit nunmehr 18 Jahren von internationalen Künstlern erfolgreich gestaltetes Projekt nicht realisiert werden könne. Der Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung hofft dennoch, „dass es den Machern von Rohkunstbau gelingt, im nächsten Jahr mit gleicher Begeisterung und Qualität an die bisherigen Ausstellungen anknüpfen zu können.“

Schon in den vergangenen Jahren war die finanzielle Situation für Rohkunstbau nicht einfach. Doch konnte das Projekt durch das Engagement der Organisatoren und Eintrittseinnahmen einen großen Teil seiner Finanzierung selbst erwirtschaften. Eine dauerhafte Stabilisierung des Projektes sei aber nur möglich, wenn sich verschiedene Partner zu dieser Ausstellung ortsbezogener Kunst bekennen und ihr Engagement auch in den nächsten Jahren fortsetzen, ist in der Pressemitteilung zu lesen.

Die ambitionierte Kunst-Ausstellung fand in den vergangenen drei Jahren im Schloss Marquardt statt. 2011 wurde dort mit dem ersten Teil des auf vier Jahre angelegten Zyklus’ „Ring der Nibelungen“ begonnen, die von 6000 Besuchern an elf Wochenenden im Sommer besichtigt worden ist. Gemeinsam mit internationalen Partnern hat sich Rohkunstbau 2011 auch auf der Biennale in Venedig präsentiert. In diesem Jahr sollte der zweite Teil des „Rings“ in Schloss Roskow nahe Potsdam und Brandenburg/Havel vom 24. Juni bis 16. September zu sehen sein. Elf internationale Künstler wurden eingeladen, sich kritisch mit dem Thema „Moral“ auseinanderzusetzen. Der geplante Umzug von Marquardt in das Familienschloss der Familie Katte in Roskow hatte finanzielle Gründe. Ein Nachfahre von Hans-Hermann von Katte hätte den Künstlern von Rohkunstbau sein Schloss zu günstigen Mietkonditionen zur Verfügung gestellt. Das Konzept von Rohkunstbau ist es, junge, aufstrebende und international bekannte Künstler an einem Ort außerhalb des gängigen Kulturbetriebs einzuladen, um neue themenspezifische Arbeiten zu realisieren, die sich auf den Ausstellungsort beziehen. Von 2006 bis 2008 wurden beispielsweise zu der Kieslowski-Trilogie „Drei Farben Blau – Weiß – Rot“ gemeinsame Ideen entwickelt.

Rohkunstbau wurde 1994 im Spreewald gegründet. Das Projekt startete in einem Rohbau – daher der Name – im Wasserschloss Groß Leuthen und entwickelte sich von einem regionalen Künstlerwochenend-Happening zu einem renommierten Kunstfestival. 2007 musste Rohkunstbau sein Domizil in Groß Leuthen verlassen und fand im Schloss Sacrow sowie 2008 in der Villa Kellermann in Potsdam statt. Von 2009 bis 2011 stellte Rohkunstbau im Schloss Marquardt aus. Jetzt sollte es ins Schloss Roskow gehen. Die Gemeindevertreter hatten die Ankündigung der Ausstellung mit Wohlwollen aufgenommen.

Im Internet haben sich zahlreiche Unterstützer des Vereins zu Worte gemeldet. Da heißt es unter anderem: „Rohkunstbau ist ein Höhepunkt des Sommers. Die spannend kuratierten Ausstellungen an ausgewählten Orten Brandenburgs sind einen Ausflug wert. Rohkunstbau muss bleiben.“


                  

Online-Petition

zur Rettung des Projekts

Über 1300 Personen haben die Online-Petition an die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Prof. Dr. Dr. Sabine Kunst, unterzeichnet: 

Sehr geehrte Frau Ministerin Prof. Dr. Dr. Kunst,

sollte es in diesem Jahr keine öffentliche Förderung vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburg für das Projekt Rohkunstbau geben, wird es in diesem Jahr nicht realisiert werden können, womit auch die Weiterführung in den kommenden Jahren gefährdet ist.

Rohkunstbau besteht seit 1994 und wurde im Spreewald gegründet – es würde in diesem Jahr seine 19. Ausstellung zeigen, an der seit ihrem Bestehen eine Vielzahl internationaler KünstlerInnen teilgenommen hat.

Die Ausstellung verfolgt ein einzigartiges Konzept, themenspezifische und ortsbezogene, zeitgenössische Bildende Kunst von international bekannten und aufstrebenden KünstlerInnen zu zeigen. Dabei werden architektonisch außergewöhnliche und historisch wertvolle Orte in Brandenburg ausgewählt, die außerhalb des gängigen Kunstbetriebs im ländlichen Raum Brandenburgs bespielt werden. Im Rahmen einer alljährlichen Sommerausstellung werden die extra dafür angefertigten Kunstwerke einem breiten Publikum präsentiert, was einer der Höhepunkte des kulturellen Lebens in Brandenburg darstellt.

Eine fehlende Unterstützung Ihres Ministeriums würde dem Brandenburgischen Land ein wichtiges Stück Kulturgut und der zeitgenössischen Kunst eine wichtige Plattform entziehen, um den Dialog zwischen Kunstschaffenden und der Öffentlichkeit zu fördern, der durch dieses Projekt stattgefunden hat und immer wieder weiterentwickelt wurde. Die ständig wachsenden Besucherzahlen (inzwischen über 6000 Gäste) sprechen für die Begeisterung der Kunstinteressierten aber auch der lokalen Bevölkerung für dieses Projekt!

Wir möchten Sie bitten, dieses einzigartige Projekt auch im Jahr 2012 und in den kommenden Jahren zu fördern, damit es dem Kulturland Brandenburg erhalten bleibt und dafür Sorge trägt, dass der rege Austausch zwischen Kunst, KünstlerInnen und einem kunstinteressierten Publikum außerhalb des gängigen Kunstbetriebes weiter befördert wird.

Begründung: Rohkunstbau besteht seit 1994 und wurde im Spreewald gegründet – es würde in diesem Jahr seine 19. Ausstellung zeigen, an der seit ihrem Bestehen eine Vielzahl internationaler KünstlerInnen teilgenommen hat. Brandenburg würde ein international renommiertes Kunstereignis verlieren, das über viele Jahre von allen Beteiligten mit viel Engagement aufgebaut wurde.