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Brandenburgischer Literaturpreis Umwelt


"Nachhaltigkeit" und eine Kulturgeschichte der Kuh

Der BRANDENBURGISCHE LITERATURPREIS UMWELT wurde von Ministerin Anita Tack (DIE LINKE) an Ulrich Grober und Florian Werner vergeben

Eva und Erwin Strittmatter hätten sich sicher über die Bücher von Ulrich Grober und Florian Werner gefreut und nichts dagegen gehabt, dass in diesem Jahr der Literaturpreis Umwelt geteilt wurde und am 6. Juli 2011 zu gleichen Teilen an diese beiden Sachbuchautoren verliehen wurde.

Die Bücher der ausgezeichneten Autoren:

  • Florian Werner: Die Kuh. Leben, Werk und Wirkung. Zürich: Nagel & Kimche Verlag, 2009
  • Ulrich Grober: Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. München: Verlag Antje Kunstmann, 2010

Was hier sprachlich geboten wurde – von den beiden Autoren in ihren Büchern wie auch von den Laudatoren Cord Riechelmann zu Florian Werner und Klaus Bosselmann zu Ulrich Grober – ist im politischen Raum eine Rarität. Herausforderung für die Politik war allerdings nicht allein das hohe sprachliche Niveau dieser Festveranstaltung des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Kaum zu glauben, aber auch die politischen Argumente für Nachhaltigkeit und eine kapitalismuskritische Haltung ließen sich beim Thema Kuh sehr logisch ableiten. Denn die Kulturgeschichte der Kuh sagt sehr viel über die menschliche Gesellschaft auf ihrem Weg hin zum heutigen Kapitalismus aus. Die Umfunktionierung der Kuh zur Produktionsmaschine passt regelrecht sinnbildlich zu dieser Entwicklung.

Es sei Blödsinn Nachhaltigkeit mit Wachstumsideologie in Einklang bringen zu wollen, betonte Prof. Dr. Klaus Bosselmann in seiner Laudatio für Ulrich Grober und hatte gute Gründe für diese und weitere interessante Thesen. Faszinierend gelingt es Grober höchst aktuelle Fragen gut lesbar und fasslich zu behandeln. Überhaupt nicht künstlich aufgesetzt sind seine Untersuchungen zu Goethe, Humboldt, Descartes oder Linné. Besonders freut mich die Würdigung des Philosophen Baruch Spinoza, der einen radikalen Gegenentwurf zu Descartes verfasste, indem er „die größte denkbare Aufwertung der Natur“ vollzieht: „Er erklärt Gott und Natur für identisch.“ (S. 72) Goethe, sehr empfänglich für Spinozas Ideen, erfasst das Wesen des damaligen Nachhaltigkeitsdenkens: „Ökologie in den Kern von Nachhaltigkeit einpflanzen.“ (S. 133).


Dass der Preis nun nicht mehr den Namen Erwin Strittmatter trägt, wird wohl nicht zu ändern sein. Schade ist es trotzdem. Vielleicht sollte der Name des Preises noch einmal geändert werden. Allerdings müsste dann nach meiner Überzeugung unbedingt das Wort „Literatur“ erhalten bleiben. Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz. Es geht um Kultur. Und Kultur ist nicht nur, was nach der Arbeit kommt.


Der Brandenburgische Literaturpreis Umwelt wird seit 1994 für deutschsprachige Literatur vergeben, die, so das ausreichende Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz, "in besonderer Weise literarische Qualität mit einem ethischen Anspruch zur Bewahrung der natürlichen Lebenssphäre verbindet". Ausgezeichnet werden mit dem Preis Autorinnen und Autoren für ein herausragendes Einzelwerk oder aber für ihr Gesamtwerk.

Die bisherigen Preisträger:

  • Wulf Kirsten
  • Reimar Gilsenbach
  • Thomas Rosenlöcher (1996)
  • Bernhard Kegel (1997)
  • Volker Braun (1998) 
  • Lia Pirskawetz (1999)
  • Hanns Cibulka (2000)
  • Susanne Paulsen (2001)
  • Anett Gröscher und Ernst-Paul Dörfler (2002)
  • Richard Pietraß und Andreas Altmann (2004)
  • Wolfgang Hilbig und Antje Babendererde (2006)
  • Anita Albus (2008)

Weitere Informationen auf der Seite des Ministeriums...