Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

LANDTAGSNEUBAU

Architektur von Peter Kulka

Kunstausstellung von Lutz Friedel

Vorbilder - Nachbilder - Gegenbilder

Kurz vor dem Besucherwochenende im neuen Landtagsgebäude wurden auf dem CDU-Flur Bilder der Ausstellung abgehängt (Foto: Hoffmann)

Die Kunstkommission des Landtags hat den weisen Beschluss gefasst, die Ausstellungen im neuen Landtagsgebäude im jährlich wechselnden Turnus in die Verantwortung der beiden Kunstmuseen des Landes zu geben.

Den Auftakt in diesem Jahr machte das Museum Junge Kunst in Frankfurt/Oder. Die Direktorin Prof. Dr. Rieger-Jähner kuratierte eine Ausstellung mit Selbstporträts des brandenburgischen Malers und Bildhauers Lutz Friedel: "Vorbilder - Nachbilder - Gegenbilder", die bereits vor dem Besucherwochenende des Landtags zu einer breiten öffentlichen Debatte geführt hat. 

Geprägt war die Diskussion vor allem durch zum Teil unsägliche Schlagzeilen in der Presse, die da suggerierten: "Hitler-Bild im Landtag" (BILD, 14.01.2014) oder "Streit um Hitler oder Goebbels" (Berliner Zeitung, 14.01.2014). Auch die CDU-Fraktion meinte, sich gegen die "Diktatoren-Ausstellung im Landtag Brandenburg" verwahren zu müssen (Pressemitteilung vom 11.01.2014). Auf ihrem Fraktionsflur wurden - von unbekannt - sogar Bilder aus der Ausstellung abgehängt - eine Symbolik, die sich aufgrund der Geschichte eigentlich verbietet.

Nach der aufgeregten Debatte hatten am Besucherwochenende am 18. und 19. Januar 2014 viele endlich auch Gelegenheit, sich selbst ein Bild von der Ausstellung zu machen. Und? Beim Betrachten zeigte sich, dass keineswegs Porträts von Hitler, Stalin oder Goebbels im Landtag hängen, sondern der Künstler Lutz Friedel sich auf sehr anregende und intelligente Weise unter dem Motto "Ich selbst als ... " mit Persönlichkeiten auseinandergesetzt hat, die ihn beeinflusst, berührt oder geärgert, auch in schmerzhafter Weise abgeschreckt oder inspiriert haben - mit Personen also, die für ihn seine - und wohl auch unsere - Geschichte spiegeln. Er selbst sagt, dass er sich mit dem auseinandersetzen möchte, was in ihm und bei jedem anderen Menschen steckt. Und das ist nicht nur das Gute und Schöne. 

Die Ausstellung wird bis zum 13. Dezember 2014 im Landtag in Potsdam zu sehen sein. Im kommenden Jahr gestaltet die Ausstellung das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus mit seiner Direktorin Ulrike Kremeier.

 

Landeswappen oder Kunst?

Landtagsrede von MdL Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann zum TOP 14 der Landtagssitzung am 15. Mai 2014

"Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit der Kunst, das ist so eine Sache: Wo fängt sie an, wo ist es Architektur, wo beginnt Kitsch, wo ist es bloße Illustration bedeutender Orte zum Gefallen der Mächtigen oder der Mehrheit?

Ein Wappen, einmal beschlossen, ist verbindlich; das ist klar. Auch in den anderen Landtagen im Osten hängt nicht unbedingt das definierte Wappen, will ich bloß einmal anmerken. Ein Kunstwerk, einmal fertiggestellt und an den Ort der Bestimmung gebracht, sollte man aber nicht abhängen. Das hat Symbolkraft, auf die sollten wir verzichten.

Kunst hat auch mit Geschmack zu tun. Aber den sollte man bilden dürfen. Denn Umgang mit Kunst gelingt besser, wenn ästhetisches und ikonografisches Grundwissen angeeignet wurden.

Kunst ist selten unpolitisch, jedoch als wahre Kunst weitgehend frei von politischen oder politisch geschmäcklerischen Vorgaben. Das gilt nicht nur für Demokratien, hier aber in besonderer Weise. Kunst lässt sich eben nicht durch Mehrheitsbeschluss bewerten oder in die Schranken weisen. Und frei soll Kunst obendrein auch noch sein, Artikel 5 des Grundgesetzes, Artikel 34 der brandenburgischen Verfassung.

Dennoch: Für die Geschichte des Landes Brandenburg ist es unerheblich, ob hier im Plenarsaal ein heraldisches Wappen mit dem roten Adler hängt oder ein weißer Adler als Bestandteil einer insgesamt runden Architektur als Kunstwerk, die das Innen und Außen dieses Hauses und seine aktuelle politische Funktion meiner Meinung nach gut gelöst hat. Für die Kunstgeschichte könnte die Adlerfrage aber bedeutsam sein. Vor allem aber nicht unerheblich für den Ruf des Landes und dieses Parlamentes ist es, wie mit einem Resultat künstlerischer Arbeit nachträglich umgegangen wird.

Über den Auftrag wurde eindeutig gesprochen. Der Auftrag war, im freien Wirken einen Plenarsaal zu gestalten. Es hätte auch den Auftrag geben können: Das definierte Wappen soll an die Wand. Dann wäre das in Ordnung gewesen. Das ist aber nicht passiert. Jetzt geht es darum: Wie gehen wir mit dem Resultat, das demokratisch beauftragte Gremien haben wollten, um? Hier könnte es sein, dass eine Peinlichkeit beginnt.

Demokratie muss auf eigener Symbolik bestehen, ohne in Bilderstürmerei zu verfallen. Dieser Gedanke von Peter Kulka ist mit diesem Haus meiner Meinung nach konsequent weitergeführt worden. Frau von Halem hat dazu Wichtiges gesagt. Über das Ergebnis kann gestritten werden, aber abreißen oder Bilder abhängen, das tut man nicht.

Der Antrag der 22 Abgeordneten ist von der Sache her in Ordnung, kommt aber zu spät, er hätte vor der Beauftragung des Architekten kommen müssen.

Der Antrag der 46 Abgeordneten kommt als Kompromiss daher. Und dazu sage ich: In Kunstdingen ist die Kategorie ‚Kompromiss‘ nicht üblich, weil damit Kreativität ausgebremst wird. Bei der Politik ist das anders.

Etwas Gutes hat die Abstimmung trotzdem. Da ich annehme, dass der nach Vorstellung einer Mehrheit der Abgeordneten gestaltete rote Adler gewinnt, der weiße weg muss, Politik also beschlossen hat, wie die ästhetische Gestaltung des Plenar-saales auszusehen habe, blamiert sich bloß der Landtag. Das Gute an dieser Geschmacksdemonstration von dann doch relativ wenigen Leuten ist, dass damit das Thema aus dem Kampf um Mehrheiten zur Landtagswahl heraus ist. Das meine ich gar nicht zynisch. Mit einer solchen Debatte kann sich dann das Land nicht mehr weiter blamieren. Und das ist in Ordnung so.

Trotzdem: Schmeißt den weißen Adler nach dieser Provinzposse um Gottes willen nicht weg! Gebt ihn an irgendein Theater oder Museum! Bei der zu erwartenden Wertsteigerung kommt dieses Theater oder dieses Museum über jede finanzielle Krise." 

 

Brandenburgs Wappentier im Plenarsaal würdig präsentieren

Antrag von 46 Abgeordneten

Drucksache 5/9021 

im Plenum mehrheitlich angenommen

Anlage zur Drucksache 5/9021 

 

                  

Brandenburgs Landeswappen gehört in den Plenarsaal des Landtages Brandenburg

Antrag von 22 Abgeordneten

Drucksache 5/9005 

im Plenum abgelehnt

 

                  

Demokratie und kritische Kunst in barocker Hülle

Beitrag von Gerd-Rüdiger Hoffmann in "Das Blättchen. Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft"

In der Ausgabe No. 3 des "Blättchen. Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft" ist Anfang Februar ein Beitrag des Landtagsabgeordneten Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann erschienen, der Position bezieht zum Neubau des Potsdamer Stadtschlosses und zur darin gezeigten Ausstellung "Ich selbst als..." von Lutz Friedel. Darin heißt es unter anderem:  

"'Ceci n’est pas un chateau' ist in goldenen Lettern am neuen brandenburgischen Landtagsgebäude zu lesen. Ja, das ist kein Schloss, dieses Schlossgebäude ist das Bild von einem Schloss. Im Inneren soll Demokratie befördert und verwaltet werden. Der Kontrast zwischen dem barocken Außen, so wie von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff unter Friedrich II. Mitte des 18. Jahrhunderts in Zeiten der Monarchie gewollt, und sachlich-kühlem Innen, das nur durch Menschen in den Gängen, Büros und Sitzungsräumen belebt werden kann, darf als aufklärerische Ironie mit leichtem Hang zum subversiv-dialektischen Witz verstanden werden. Die ausgezeichnete Idee der Potsdamer Künstlerin Annette Paul, diesen Schriftzug am Westflügel des Schlosses anzubringen, weist darauf hin, dass es sich wohl doch um das Landtagsgebäude handeln könnte. [...]

Lutz Friedel hat nun 122 von seinen über 300 übermalten Plakaten zu Ausstellungen seiner Holzskulpturen für den Landtag ausgewählt, in denen er sich unter dem Motto 'Ich selbst als …' mit Persönlichkeiten und damit mit Geschichte auseinandersetzt, die ihn beeinflusst, berührt, geärgert oder in schmerzhafter Weise abgeschreckt oder auch inspiriert haben. Schließlich sagt der Künstler selbst, dass er sich damit beschäftigen möchte, was in ihm und in jedem anderen Menschen steckt. Dass dann nur Gutes oder nur Böses zu entdecken wäre, mögen sich einige Menschen und besonders Politikerinnen und Politiker einreden wollen. Das Leben ist dann doch anders, komplizierter eben. [...] Die Kunstkommission hat sich mutig für kritische Kunst, rote Fußböden und rote Sitze vor nüchternem Weiß entschieden. Diskussion ist dadurch reichlich zustande gekommen. Für eine Kunstausstellung und einen Landtag als Ort kulturvoll ausgetragener kontroverser Meinungen ist das kein schlechtes Zeugnis."

Die nebenstehende Datei zeigt die Titelseite des genannten Ausgabe des Blättchens und enthält den gesamten Beitrag.

 Zur Homepage des Blättchens ...

 

                  

Broschüre des Landtags zur Ausstellung "Lutz Friedel: Vorbilder - Nachbilder - Gegenbilder"

mit dem Geleitwort der Kuratorin Prof. Dr. Rieger-Jähner

Zum Besucherwochenende im neuen Landtagsgebäude veröffentlichte der Landtag eine kleine Broschüre zur Ausstellung von Lutz Friedel, in der das hervorragende Geleitwort der Kuratorin Prof. Dr. Rieger-Jähner, Direktorin des Museums für Junge Kunst Frankfurt / Oder, veröffentlicht worden ist. Außerdem findet sich darin eine Kurzbiografie und eine Übersicht zu Einzelausstellungen von Lutz Friedel.