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Senftenberg liest 2010

"Der Junge im gesteiften Pyjama" von John Boyne

"Zum fünften Mal in Folge findet "Senftenberg liest" in der Zeit vom 23. April bis zum 10. Mai mit einer Vielzahl von Lesungen und Veranstaltungen statt. 65 Jahre nach der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und vieler anderer ruft der Vorbereitungskreis mit der diesjährigen Buchauswahl für diese Leseaktion verstärkt den Holocaust ins Gedächtnis.

 

Um vor allem junge Menschen anzusprechen und ihren Blick auf die Ausgrenzung, Diskriminierung bis hin zu Menschenrechtsverletzungen zu schärfen, ist der Umgang mit der Gechichte ein wichtiger Beitrag. Deshalb hat sich der Vorbereitungskreis von "Senftenberg liest" bei der Auswahl des Lesestoffes mehrheitlich für das Buch des irischen Autors John Boyne "Der Junge im gestreiften Pyjama" entschieden. Erzählt wird darin der Holocaust aus der Sicht eines Kindes:

Der achtjährige Bruno, Sohn eines Offiziers im Dritten Reich, weiß nichts von der Endlösung und dem Holocaust. Er ist unberührt von den entsetzlichen Grausamkeiten, die sein Land dem europäischen Volk zufügt. Als der Vater als Aufseher eines Vernichtungslagers aufs Land versetzt wird, muss ihm die gesamte Familie folgen. Bruno fühlt sich einsam und allein gelassen in dieser öden Gegend, in der er nichts unternehmen kann und keiner mit ihm spielt. Bis er Schmuel kennenlernt, einen Jungen, der ein seltsam ähnliches Dasein auf der anderen Seite des angrenzenden Drahtzauns fristet und der, wie alle Menschen dort, einen gestreiften Pyjama trägt. Zwischen den ungleichen Jungen entsteht eine enge Freundschaft, die tragisch endet.

"Der Junge im gestreiften Pyjama" belehrt nicht, er zeichnet in leiser und sanfter Sprache ein Bild aus der Alltagswelt von Kindern in einer Zeit, die durch ihre Absurdität und Grausamkeit von Kindern nicht zu verstehen ist, ohne aber Gewaltszenen zu beschreiben.

Es ist kein Kinderbuch, aber ein Buch über Kinder für Jung und Alt."

Gabriele Ahnis, Hochschule Lausitz (FH), Leiterin der Hochschulbibliothek

Der Autor: John Boyne (geb. 1971)

John Boyne wurde am 30. April 1971 in Dublin geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte Englische Literatur am trinity College Dublin und Kreatives Schreiben an der Universität von Ostanglien in Norwich. Sein früheres literarisches Schaffen bestand größtenteils aus Kurzgeschichten. Er ist Autor von sieben Romanen, die bislang in 42 Sprachen erschienen. Sein achter Roman, ein Buch für jüngere Leser, wird voraussichtlich im Oktober 2010 in den Buchhandlungen präsent sein.

Mit seinem vierten Buch "The Boy in the Striped Pyjama" aus dem Jahre 2006 gelang Boyne der internationale Durchbruch. Der Roman, der inszischen auch verfilmt wurde, stürmte weltweit die Bestsellerlisten. Insgesamt wurde der Roman über fünf Millionen mal verkauft, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ist präsent auf einer großen Anzahl von Auswahllisten (z.B. nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008). Zu den Preisen zählt der Irish Book Award für das beste Kinderbuch des Jahres und der People´s Choice Buch des Jahres.

Der Autor selbst: "Im Jar 2004 sah ich ein Bild vor mir, in dem zwei Jungen auf jeweils einer Zaunseite saßen und sich miteinander unterhielten. Aus diesem Bild entsprang das Buch Der Junge im gestreiften Pyjama. Ich wusste, wo sich die Jungen befanden und ich wusste, es war ein Ort, an dem sich kein Mensch jemals befinden sollte."

Bernhard Huber (Kritiker): "Sicher eines der bewegendsten Bücher, die der Rezensent jemals las, obwohl man danach nur fassungslos verstummen oder übersprudeln kann. Ich wäre lieber verstummt, aber dann würde hier nicht geworben für den Jungen im gestreiften Pyjama. Und das muss man, denn man kann diesem Buch gar nicht Leser genug wünschen." 


Lesung im Lisa-Café der Rosa-Luxemburg-Stiftung

29. April 2010

zugleich Eröffnung

der neuen Räume des Regionalbüros Lausitz

im Abgeordnetenbüro von Gerd-Rüdiger Hoffmann


Mitwirkende

  • Anke Blumenthal [Rundfunk- und Fernsehjournalistin, rbb (Senftenberg)]
  • Oksana Weingardt-Schön [Pianistin, Komponistin (Dresden)]
  • Gerald Schön [Bariton (Dresden)]
  • Franziska Klotz [Malerin (Berlin)]
  • Textauswahl: Ursula Memmert-Gerlach [Schauspielerin (Senftenberg)]


Programm

  • Begrüßung (Gerd-Rüdiger Hoffmann, MdL)
  • Letztes Boot [Jan Paul Nagel (Musik), Johannes Bobrowski (Text)]
  • „Auch heute gibt es noch Zäune wie den, der im Zentrum von Der Junge im gestreiften Pyjama steht...“ (Nachwort)
  • Rings ist der Wald so stumm und still [Antonín Dvořák (Musik), Adolf Heyduk (Text)]
  • Kapitel zehn; „Der Spaziergang am Zaun entlang dau-erte viel länger, als Bruno erwartet hat-te...“
  • Při kolebce [Jan Raupp (Musik),Handrij Zejler (Text)]
  •  „... wenn ich auch einen gestreiften Py-jama hätte, dann könnte ich auf einen Besuch rüberkommen...“ (Kapitel 18)
  • „Dann wurde es sehr dunkel im Raum...“ (Kapitel 19)
  • Wiegenlied [Eva Lippold (Musik und Text)]
  • „Danach hörte niemand mehr etwas von Bruno.“ (Kapitel 20)


Zum Bild von Franziska Klotz

von Gerd-Rüdiger Hoffmann

Franziska Klotz „Waiting“ (Mischtechnik, 150x200 cm, 2010)

Das großformatige Gemälde mit dem modernen Titel „Waiting“ ist kein Auftragswerk und auch keine Illustration zu irgendetwas. Aber: Bei einem Besuch im Berliner Atelier der Künstlerin vor wenigen Tagen sprachen wir über das Thema, das Franziska Klotz gegenwärtig in ihren Werken am intensivsten beschäftigt. Es geht ihr – so verstehe ich sie - um die künstlerische Bearbeitung der Frage, warum Menschen oft nicht zusammenkommen, sich nicht finden, obwohl sie es so gern möchten. Es geht nicht nur um Kommunikationsprobleme. Das wäre ein zu technischer Begriff für ein Problem mit geradezu existentieller Dimension.

Dann kamen wir noch auf die Aktion „Senftenberg liest“ zu sprechen, die in diesem Jahr das Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne in den Mittelpunkt stellt. Und langsam – im weiteren Gespräch - passten die Fragen der Künstlerin zu meinen Fragen, die mich nach dem Lesen des Buches beschäftigten. Inzwischen hat auch sie das Buch gelesen – und weitergemalt. Entstanden ist ein Bild, das immer noch keinen direkten Bezug zum Buch hat, was auch nie Absicht war. Es ist ein farbintensives Bild, auf dem das Abgebildete fast un-wirklich scheint und doch die zwei Figuren sehr wirklich trennt – durch regel-recht modellierend aufgetragene Farben, vor allem aber durch relativ glatte, nahezu sanft zerfließende Flächen, die bedrohliche Abgründe unter sich vermuten lassen. Intensive Spannung, kein begehbarer Weg, Farbtränen aus dem dunklen Himmel. Ein festgehaltener Augenblick voller Bewegung. Ein rätselhaftes Bild, das sich wohl nur langsam erschließt.


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