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Senftenberg liest 2008

Heinrich Heine, Erich Kästner und Alex Wedding anlässlich des 75. Jahrestags der nationalsozialistischen Bücherverbrennung

„Mittlerweile ist unsere Leseaktion schon fast zur Tradition geworden. Auch in diesem Jahr wird es zwischen dem 23. April, dem Welttag des Buches, und dem 10. Mai, dem Tag zum Gedenken an die Bücherverbrennung, wieder heißen: „Senftenberg liest“. Dieses Mal hat der Vorbereitungskreis den 75. Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung als Rahmenthema gewählt. Kurz nach der „Machtergreifung“ durch die Nazis wurden als sogenannte „Aktion wider den undeutschen Geist“ Bücher verbrannt. Höhepunkt der von der nationalsozialistischen Deutschen Studentenschaft organisierten Kampagne stellte der 10. Mai 1933 dar, an dem auf dem Opernplatz in Berlin sowie in 21 weiteren Städten inszenierte Bücherverbrennungen stattfanden. Über zehntausend Werke verfemter Autoren wurden unter dem Beifall vieler auf den Scheiterhaufen geworfen. „Dort, wo man die Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Diese Worte Heinrich Heines wurden zur Prophezeiung. Sein „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ist das erste Buch, das exemplarisch zur Erinnerung an diesen schrecklichen Tag vor 75 Jahren vorgeschlagen ist. Das zweite Buch ist „Ede und Unku“ von Grete Weiskopf, besser als Alex Wedding bekannt. Hier wird die authentische Geschichte von Erna Lauenburger erzählt, die in Auschwitz ermordet wurde. Sie teilte damit das Los vieler Sinti und Roma, die dem Rassismus der Nazis zum Opfer fielen. Die beiden weiteren Bücher sind von Erich Kästner: „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ und „Pünktchen und Anton“. Erich Kästner war als einziger Autor am 10. Mai 1933 anwesend, als sein Name von Studenten in SA-Uniform aufgerufen und seine Bücher ins Feuer geworfen wurden. Wir wollen uns mit guter Literatur beschäftigen - selbst lesen, eine Kultur des Zuhörens unterstützen und dann darüber reden. Der Zweck im Sinne Kästners sollte in diesem Jahr sein, rechtzeitig an die Verhütung vonSchuld zu denken, indem wir uns weigern, „die Unmoral in Politik und Geschichte als Naturereignis hinzunehmen“. Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann, MdL

Heinrich Heine (1797 - 1856)

Heinrich Heine war einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Er verlieh der deutschen Sprache eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war er ebenso bewundert wie gefürchtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde Heine immer wieder angefeindet und ausgegrenzt. 1831 nahm Heine vor der deutschen staatlichen Zensur Zuflucht in Frankreich. Die Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen wechselvolle Rezeptionsgeschichte. Seine Reise nach Deutschland 1843/44 bildete die Grundlage für „Deutschland. Ein Wintermärchen“ – eine pointierte Auseinandersetzung mit den herrschenden Missständen in seiner Heimat.

Erich Kästner (1899 - 1974)

Erich Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist. Nach seinem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie arbeitete er als Schriftsteller, Theaterkritiker sowie freier Journalist. Breiten Kreisen ist vor allem wegen seiner humorvollen, scharfsinnigen Kinderbücher (wie z.B. „Pünktchen und Anton“) und seiner humoristischen bis zeitkritischen Gedichte bekannt. Weniger bekannt ist sein Roman „Fabian. Geschichte eines Moralisten“, in dem er schonungslos den Niedergang der Weimarer Republik und ihrer politischen und gesellschaftlichen Ideale beschreibt.

Alex Wedding / Grete Weiskopf (1905 - 1966)

Margarete Weiskopf wählte ihr Pseudonym nach zwei proletarischen Berliner Wohnvierteln. Seit 1925 verdiente sie ihr Geld als Stenotypistin, Buchhändlerin oder Bankangestellte. Zur NS-Zeit emigrierte sie über Prag und Paris in die USA und kehrte 1953 nach Deutschland zurück. 1931 erschien ihr erstes Kinderbuch, „Ede und Unku“, das authentisch von Freundschaft und Mut in schwierigen Zeiten erzählt.

 

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