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Veranstaltung zum Abschied von der Abgeordnetentätigkeit und zur Schließung des institutionalisierten Lausitzbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg

Montag, 29. September 2014, Bürgerhaus Wendische Kirche Senftenberg

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Im Oktober 2014 schließen wir das Abgeordneten-Büro von Gerd-Rüdiger Hoffmann in der Senftenberger Bärengasse 3, das gleichzeitig das Lausitz-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg beherbergte und Ort zahlreicher kultureller und politischer Veranstaltungen war.

Am Ende einer zehnjährigen Arbeit haben wir am 29. September 2014 im Bürgerhaus Wendischen Kirche den Versuch unternommen, Bilanz zu ziehen. Die beiden Reden dazu finden Sie weiter unten. 

Gleichzeitig eröffneten wir im Rahmen dieser Abschiedsveranstaltung die neue Reihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLITIK der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg, bei der der Musiker und Intendant Tobias Morgenstern (Theater am Rand Zollbrücke im Oderbruch) und Johannes Kapelle aus Proschim/Prožym, der "Opa ohne Lobby", mit Gerd-Rüdiger Hoffmann ins Gespräch über die Frage kamen, warum es sinnvoll sein kann, selbst unter dem Druck von Alltagssorgen oder existentiellen Problemen wie der geplanten Abbaggerung der Heimat Gespräche über Kunst, Philosophie und Politik zu führen.

Die musikalische Gestaltung des Abend übernahmen Oksana Weingardt-Schön (Klavier) und Gerald Schön (Bariton).

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Einladungskarte

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Programm

  • „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“
    aus: „Die Dreigroschenoper“, Musik: Kurt Weill, Text: Bertolt Brecht
    vorgetragen von Gerald Schön (Bariton) und Oksana Weingardt-Schön (Klavier)
  • Begrüßung
    Cathleen Bürgelt und Gerd-Rüdiger Hoffmann
  • „Roztyla“ / „Trennung“
    (Musik: Korla Awgust Kocor, Text: Juro Surowin)
    Gerald Schön (Bariton) und Oksana Weingardt-Schön (Klavier)
  • 10 Jahre im Landtag Brandenburg
    Gerd-Rüdiger Hoffmann
  • "Herbstlied“
    (Musik: Jan Pawoł Nagel, Text: Rainer Maria Rilke)
    Gerald Schön (Bariton) und Oksana Weingardt-Schön (Klavier)
  • 10 Jahre Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg
    Cathleen Bürgelt
  • „Opa ohne Lobby“ (Film)
    (SOMMERREICH UG, Musik: Stephan Punschke)
  • "Was hilft das Reden über Philosophie, Kunst und Politik in Prožym?“
    Gerd-Rüdiger Hoffmann im Gespräch mit Johannes Kapelle (Proschim/Prožym) und Tobias Morgenstern (Intendant Theater am Rand)
  • „Trotz alledem“
    (Musik: Guido Masanetz, Text: Ferdinand Freiligrath)
    Gerald Schön (Bariton) und Oksana Weingardt-Schön (Klavier)
  • Wortmeldungen von Gästen und Diskussion
  • „Mit innerer Heiterkeit“
    Eine Textcollage von Gerd-Rüdiger Hoffmann (Rosa Luxemburg über „innere Heiterkeit“)
    Cathleen Bürgelt und Gerd-Rüdiger Hoffmann
  • „Flüchtige Visionen – Nr. 11“
    (Sergej Prokofjew)
    Oksana Weingardt-Schön (Klavier)
  • „Mit innerer Heiterkeit“
    Eine Textcollage von Gerd-Rüdiger Hoffmann („Man soll arbeiten und tun, was man kann“)
    Oksana Weingardt-Schön

Zum Programmheft als PDF-Datei ...

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Zehn Jahre im Landtag Brandenburg. Versuch einer Bilanz in acht Minuten

Rede von Gerd-Rüdiger Hoffmann

Das Aufhören war gewollt. Jedoch irgendwie, so kurz vor dem Ende, macht sich dennoch Unbehagen bei mir breit, weil einige Aufgaben nicht erledigt und Fragen nicht beantwortet sind.

Kann ich die Entwicklung des Lausitzer Seenlandes weiterhin kritisch begleiten, wenn ich nicht mehr durch die Privilegien eines Abgeordneten geschützt bin?

Muss man aufpassen, dass der Senftenberger See nicht dem Fortschrittstaumel geopfert wird?

Was wird denn mit den Leuten in Prožym, wenn selbst DIE LINKE sich einredet, dass man da nichts mehr machen könne?

Was wird aus Lieske, wenn Lebensqualität zukünftig und Wert der Grundstücke wegen des geplanten Tagebaues bereits jetzt sinken?

Sind die Theater gesichert und gibt es irgendwann einen Fonds für kulturelle Bildung oder wenigstens Abgeordnete, die darauf bestehen, dass die Regierung ihr Versprechen dazu einlöst?

Was wird aus der Musikpädagogik, wenn zugegeben werden muss, dass drei Standorte für die künstlich fusionierte BTU Cottbus-Senftenberg nicht zu finanzieren sind?

Was wird aus den Kunstwerken, die auf der Burg Beeskow mehr schlecht als recht eingelagert sind, wenn die Kulturministerin im Namen der Landesregierung dabei bleibt, dass alles in Ordnung sei bzw. erst die Auswertung eines noch geheim gehaltenen Gutachtens zeigen werde, wie mit Kunstwerken aus der DDR in Beeskow umgegangen werden kann?

Sind die Mehrgenerationenhäuser wirklich sicher? Wer kümmert sich auf Landesebene darum?

Wichtige Arbeit wäre auf jeden Fall noch zu tun. Dabei sind noch nicht einmal die zahlreichen Probleme und Einzelfälle im Wahlkreis erwähnt, die vor allem Cathleen Bürgelt regelrecht liebevoll und fachlich sehr kompetent betreut hat.

Ja, wir spüren es, hier sind Leute sauer auf mich, weil ich – wie sie finden – ohne triftigen Grund die Flinte ins Korn geworfen habe. Andere meinen ja, dass ich im Landtag ohnehin nichts zu suchen hätte, darunter besonders Funktionäre sowie selbst ernannte Rivalen in meiner eigenen Partei und einige Journalisten. Ich selber sehe noch immer viele Gründe, warum ich im November 2009 hätte hinschmeißen sollen. Trotzdem bin ich den Menschen sehr dankbar, die mich davon abgehalten haben. Vor allem aber danke ich Cathleen, dass sie das alles und auch noch mich als „Chef“ über zehn Jahre ausgehalten hat.

Mündliche Anfragen, eine Form der parlamentarischen Kontrolle der Regierung, geben in gewisser Weise Auskunft darüber, welche Rolle Probleme des Wahlkreises in der Arbeit des Abgeordneten spielen. In der Legislaturperiode von 2004 bis 2009 habe ich 108 solcher Anfragen gestellt, in der von 2009 bis 2014 waren es 75. Die Themen gingen in meiner zweiten Legislaturperiode jedoch weit über Wahlkreisangelegenheiten hinaus. Das hat damit zu tun, dass ich im Interesse der Bürgerinnen und Bürger und oft auf ihren Wunsch hin auch jene Probleme vorbringen musste, die DIE LINKE als Regierungspartei nicht mehr hören wollte. Stichworte sind Senftenberger See, Sorben/Wenden-Politik, Kunst und Kultur, Umgang mit Lehrkräften bei Schulfahrten und Dienstreisen, Tagebaurandbetroffenheit, Energiewende usw.

Dazu kamen noch 17 Kleine Anfragen in der 4. und 21 in der 5. Legislaturperiode. Wobei ich hier sehr unbescheiden sagen darf, dass einige dieser Anfragen gar nicht klein waren, sondern sich auf von mir ausgearbeiteten konzeptionellen Vorstellungen gründeten – Konzepte, die oft in Bundesgremien meiner Partei entstanden waren. Bis heute arbeite ich zum Beispiel aktiv in der Ständigen Kulturpolitischen Konferenz und in der Arbeitsgruppe Minderheiten der Linken mit. Ich gehöre auch noch immer der Gruppe der Kulturpolitischen Sprecher der linken Landtagsfraktionen der Länder an.

Bei solchen Überlegungen können sich natürlich auch eine gewisse Eitelkeit und Selbstüberschätzung breit machen. Niemand ist unersetzbar, jedenfalls geht so eine gängige Redeweise, vor allem in Parteikreisen.

Ich musste lernen, dass auch bei bestem Willen nicht alles zu schaffen ist, was nötig oder von Betroffenen gewünscht ist. Das ist bei Anliegen aus dem Wahlkreis besonders unangenehm, manchmal auch peinlich. Dennoch, und an dieser Stelle sage ich wir, meine also Cathleen Bürgelt und mich, wir haben es stets ernst gemeint, wenn wir zu helfen versucht haben oder schwierige Themen nicht abgelehnt haben. Dieses Reden Das nehme ich mit nach Potsdam gab es bei uns nicht. Parteijargon oder Beamtendeutsch auch nicht. Wir wollten im Senftenberger Wahlkreisbüro wirklich immer die Probleme der Leute selber als Gegenstand unserer Bemühungen behandeln, nicht ob es für die öffentliche Darstellung zu meinem Nutzen geeignet ist. Botschaftsmanagement war unwichtig. Andere glauben dran, dass man wegen besonders geschickter Verkaufsstrategien gewählt wird. Sicher, Öffentlichkeitsarbeit gehört zum Beruf des Politikers. Jedoch ohne allgemeine Kompetenz und Spezialwissen und Freundlichkeit im Umgehen mit Menschen wird nichts mit linker Politik.

Sie ahnen es, in den vergangenen zehn Jahren habe ich auch Sachen gemacht, die jeder Abgeordnete, einmal gewählt, eben durchstehen muss:

An 184 Plenarsitzungen habe ich teilgenommen, also selten gefehlt. Das waren etwa 1.300 Stunden.

105 Sitzungen des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur gab es mit insgesamt 269 Stunden und 35 Minuten Sitzungszeit.

Sehr gern war ich Gast bei den 55 Sitzungen des Sorben/Wenden-Rates. Das Sorben/Wenden-Thema war auch das erste, das ich als neuer Landtagsabgeordneter 2004 angehen musste. Der Präsident sagte mir in seiner unnachahmlichen charmanten Art, dass die Sorben die Wahl des Sorben/Wenden-Rates nicht hinbekommen, weil sie sich nur noch streiten. „Kannst Du Dich mal drum kümmern.“ Habe ich gemacht. Damals habe ich auf die Frage, ob ich Sorbe sei, stets mit einem Nein geantwortet. Heute passt diese Antwort nicht mehr, weder von der Einstellung her, nicht einmal meine Herkunft betreffend, wie ich seit wenigen Monaten weiß. Jo, ja som Serb.

Im Plenum habe ich insgesamt 50 Reden gehalten. Das sind nicht besonders viele, jedoch sind alle selber geschrieben und die vorgetragenen Themen durchdacht. Ich meinte stets, was ich sagte. Von 2004 bis 2009 gab es dafür lediglich Beifall von meiner eigenen Partei. Alle Anträge, wirklich alle, der linken Fraktion wurden zu dieser Zeit mit der Mehrheit von SPD und CDU abgelehnt. Später dann, von 2010 bis 2014 gab es nach meinen Reden nur selten Beifall. Zustimmung kam vor allem von den Grünen. Gemeinsame Anträge von mir und den Grünen, in einem Fall auch mit der CDU-Kollegin Monika Schulz-Höpfner, wurden mit der Mehrheit von SPD und Linksfraktion stets ab-gelehnt. Da halfen auch nicht die wenigen linken „Abweichler“ in der letzten Reihe.

Eine besondere Herausforderung war das Thema jüdische Theologie an einer staatlichen Universität.

Zuerst dachte ich, dass ich es im Landtag als Fraktionsloser nicht aushalten werde. Als dann jedoch die Fraktion meiner Partei zu einigen Themen und im Auftreten zunehmend peinlicher wurde, sah ich im neuen Landtagsgebäude meinen Einzelplatz mit ganz anderen Augen. Niemand ist ersetzbar. Eine Funktion kann neu besetzt werden. Eine Aufgabe kann von einem Anderen als dem Bisherigen übernommen werden. Aber kein Mensch ist ersetzbar. Das bleibt meine Position als linker Kulturpolitiker und kritischer Marxist. Eine Sache sollte nie höher stehen als die Menschen. Sachzwänge dürfen nicht zu Denkzwängen werden. Wäre es anders, dann taugte die Sache wohl doch nicht so recht. Kleinmachen oder abducken im vermeintlichen Interesse der Partei kommt für mich nicht infrage. So wird es eben zukünftig auch ohne die institutionalisierte brandenburgische Linke für mich gehen müssen.

Mit siebzehn Jahren sah ich das im Einklang mit der damals führenden Partei noch anders. Meine Wende habe ich wahrscheinlich 1974 eingeleitet, als ich mich für die Philosophie und gegen eine Tätigkeit als „Kundschafter für den Frieden“ entschied. Dokumentiert in „meiner“ Akte der Stasiunterlagenbehörde schrieb ein Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit Anfang 1974 auf: Er ist von diesem Vorhaben nicht abzubringen. Genau. Meine Irrtümer kann und muss ich verantworten. Zweimal direkt in den Landtag gewählt, da dürfen viele Menschen von mir Rechenschaft über mein Tun verlangen. Daran habe ich mich gehalten. Meine Webseite wird so schnell nicht gelöscht. Hier können Sie fast alles nachlesen.

Liebe Freunde, meine Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen, ich bedanke mich sehr herzlich für die Unterstützung, für Kritik und Ermutigung. Ihr seid der Grund, warum ich heute sage, die Arbeit der letzten zehn Jahre war vielleicht doch nicht umsonst. Anstrengend war die Arbeit, jedoch manchmal auch schön und langweilig ganz selten.

Vielen Dank.

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Zehn Jahre Lausitzbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg in Senftenberg

Rede von Cathleen Bürgelt

So richtig richtig ist es eigentlich gar nicht, dass ich nun eine Bilanz der Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Senftenberg versuchen werde. Die wenigste Zeit davon war ich nämlich dabei. Eigentlich hätte Rüdiger auch weiter reden können, vielleicht sogar: müssen.

Zwar fand vor knapp zehn Jahren die Eröffnung des von mir – gemeinsam mit Brigitte Rex, Angela Wolf und Gerd-Rüdiger Hoffmann – ehrenamtlich geleiteten Regionalbüros Lausitz der RLS Brandenburg hier in Senftenberg statt, jedoch stellte dies keineswegs eine neue Initiative dar, sondern nur eine Art Institutionalisierung langjähriger umfangreicher politischer Bildungsarbeit in dieser Stadt.

Die Idee, ein Regionalbüro der Stiftung, die ihren Sitz – natürlich – in Potsdam hat, in den Provinzen des Landes zu errichten, fand Nachahmer: in Brandenburg an der Havel, in Frankfurt /Oder und in Cottbus und immer in Kooperation mit Abgeordneten des Landtags, des Bundestags oder des Europäischen Parlaments. Und es zeichnet die Luxemburgstiftung bis heute aus, dass sie ihre Angebote regelmäßig eben auch in der Fläche unterbreitet – und dabei Entwicklungen und Diskussionen vor Ort aufnimmt.

So war es auch im Winter 1989/90, als sich die Interessengemeinschaft Dritter Weg gründete, die sich als Wendeprodukt verstand. Im Gegensatz zu den damaligen Erneuerungsbestrebungen wollten ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter (Zitat): „erstens (selbst)kritischer mit dem Vergangenen umgehen; zweitens uns ein tieferes Nachdenken und nach dieser Schlappe ein Verwirrtseindürfen leisten. Und schließlich sollten drittens sozialistische Alternativen in der Politik und marxistische Analyse und Kritik in der Theorie gegen dumpfe BILDer der Sieger wenigstens denkbar bleiben. Überhaupt war Programm, Theorie nicht als Schimpfwort zu gebrauchen. Später zeigte sich, dass gerade aus dem theorielastigen Dritten Weg heraus praktische Aktionen des direkten handfesten Einmischens in kommunale, gewerkschaftliche und kulturelle Belange hervorgingen.“ (Zitat-Ende)

Ökologisch, internationalistisch, antifaschistisch, feministisch und demokratisch war das Programm der Interessengemeinschaft Dritter Weg immer. Und so sollte es dann auch in der institutionalisierteren Form bleiben.

In der Stiftung wurde immer wieder einmal diskutiert, ob die klassische Veranstaltungsform – Vortrag und Gespräch – noch zeitgemäß sei. Wir sind irgendwie immer dabei geblieben – eben auch, weil es uns um eine Kultur des Zuhörens ging, die heute mehr denn je immer mal wieder geschult werden muss.

Dank Rüdigers Kontakte und dank verschiedener Vermittlungsarbeit der kleinen großen Stiftung (in Potsdam) und der ganz großen Stiftung (in Berlin) konnten wir herausragende Persönlichkeiten bewegen, sich für einen Vortrag ins recht kleine und manchmal ganz schön weit entfernte Senftenberg aufzumachen – und einen Abend zu gestalten im Rahmen des Internationalen Kongresses für Interkulturelle Philosophie im Mai 2005 oder bei den Senftenberger Kolloquien anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Januar oder im Rahmen der Veranstaltungsreihen „Religion und Gesellschaft“, „Zukunft der Arbeit“, „Ökologie: Radikal und sofort, oder später und im Rahmen der Möglichkeiten?“, „Denkbares und Machbares“, „Verwalten, verzweifeln oder gestalten?“oder zu Themen, die sich mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der sorbischen/wendischen Minderheit beschäftigten oder jüdisches Leben tangieren, bei der Frauengruppe Lisa oder den Philosophieabenden mit Gerd-Rüdiger Hoffmann und sich der Diskussion zu stellen.

Die gab es immer, ging es doch darum, Argumente auszutauschen, eine eigene Meinung zu bilden oder die schon gefasste zu überprüfen.

Durch die Vortragsreihen kam es auch zu einer Reihe von Kooperationen mit Vereinen und Verbänden der Region. Dies war aber auch der Fall durch die Beteiligung des Regionalbüros an den Aktionen „Senftenberg liest“ – ursprünglich initiiert und koordiniert vom Abgeordneten und dem Theater NEUE BÜHNE, der Interkulturellen Woche und der Brandenburgischen Frauenwoche.

Insbesondere die Frauentagsveranstaltungen sind hoffentlich vielen von Ihnen in Erinnerung geblieben: die bereits erwähnte szenische Lesung „Mit innerer Heiterkeit“ mit Schauspielerinnen der NEUEN BÜHNE, die Lesung mit der als Kinderbuchautorin bekannten Christa Kożik, der bewegende Liederabend zu Eva und Erwin Strittmatter mit Jörg KO Kokott oder mit dem sorbischen Folkloreensemble Schleife in diesem Jahr.

Nennen möchte ich aber auch „Ein Fest!“, das ursprünglich immer auf einen möglichst sommerlichen Freitag, den 13., gelegt wurde. Neben den „Gesprächen unter Bäumen“ gehörte eine Theateraufführung genauso zum festen Programm wie Informationsstände, Ausstellungen, Bastelangebote und natürlich Kaffee und Kuchen durch die Frauengruppe Lisa und den Eine-Welt-Laden Kranich.

Etwas anderes im Veranstaltungsformat probten wir mit den Theaterprojekten mit Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Engels-Gymnasiums Senftenberg und dem Dramaturgen Karl Gündel. Das erste Programm fand eindrucksvoll im Rahmen einer wissenschaftlichen Veranstaltung anlässlich des 50. Jahrestages des 17. Juni 1953 im Juli 2003 statt. Dem folgte die anspruchsvolle szenische Lesung „Einen Schmetterling hab ich hier nicht gesehen“ über Kinder in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, die sowohl in Senftenberg als auch in Cottbus dargeboten wurde. Brechts „Kaukasischer Kreidekreis“ hatte in Senftenberg seine Premiere und wurde dann mit Erfolg zur Jubiläumsveranstaltung zum 15. Gründungstag der Stiftung in Potsdam dargeboten. Das in Senftenberg im Juni 2007 uraufgeführte Wolfgang-Borchert-Theaterprojekt „Generation ohne Abschied“ bereicherte im Januar 2008 den Neujahrsempfang der Stiftung im Alten Rathaus in Potsdam.

Wir sind – trotz finanzieller Schwierigkeiten – guter Hoffnung, dass im kommenden Jahr ein neues Projekt zur Aufführung kommt – zu Rutkas Tagebuch, den Aufzeichnungen eines jüdischen Mädchens im Warschauer Ghetto.

Dies würden wir gern mit einer Präsentation der Ergebnisse der Recherchen der Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Senftenberg“ verbinden, die als wissenschaftliches Projekt bei der RLS Brandenburg angegliedert ist. Der Initiatorin des Projektes, Eva Klein, die leider viel zu früh im April dieses Jahres verstorben ist, sind wir dies schuldig.

Eine weitere Höhepunktveranstaltung möchte ich erwähnen, auch, weil sie auch ein klein wenig Ausblick auf die Zukunft gibt: Die Konferenzreihe Provinz versus Provinzialität, die sich bereits vier Mal jeweils im Mai einem speziellen kulturpolitischen Thema widmete. Es besteht das feste Vorhaben, die fünfte Konferenz in dieser Reihe im kommenden Jahr an der NEUEN BÜHNE Senftenberg durchzuführen – wieder in Kooperation mit dem Kulturforum der Stiftung in Berlin und – nach dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk, den uckermärkischen bühnen schwedt, dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und dem Theater am Rand im Oderbruch nun mit der NEUEN BÜHNE – quasi Zuhause in Senftenberg.

Dass wir mit Tobias Morgenstern heute jemanden hier haben, der damals den Auftakt der Konferenzreihe möglich machte, ist sicher ein gutes Omen für die Weiterführung der neuen Gesprächsreihe Reden über Philosophie, Kunst und Politik, mit der wir heute starten.

Sie wird in Zukunft in Tenglers Bücherhandlung am Senftenberger Marktplatz stattfinden. Am 21. November 2014, das gebe ich nun schon mal bekannt, wird der ehemalige Justizminister des Landes und nun Landtagsabgeordnete Volkmar Schöneburg zu Gast sein und zum Begriff „Unrechtsstaat“ in Politik und Wissenschaft sprechen. Ein Thema, das bei seinem letzten Vortrag in Senftenberg schon vereinbart worden war – und nun durch das abverlangte Bekenntnis angesichts einer möglichen Rot-Rot-Grünen Koalition in Thüringen eine ganz neue Aktualität erlangt hat.

Kurz und gut: Das Büro schließt, aber aufhören wollen wir so richtig nicht – und können es vielleicht auch nicht. Es wird also irgendwie weitergehen – mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Senftenberg und mit uns natürlich auch. Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, dann melden Sie sich. Vielleicht kann sich der eine oder die andere auch entschließen, unserem Verein beizutreten. Wir haben hinten nicht nur viel Papier ausgelegt, das sie sich gern mitnehmen können, damit wir es nicht wegschmeißen müssen, sondern auch das neue Faltblatt der RLS Brandenburg – dem ich einen Beipackzettel dazugelegt habe, der die Satzung enthält und einen Aufnahmeantrag.

Wenn ich jetzt so viel aufzählen konnte, ist das natürlich nur möglich, weil all die Jahre viele, viele Menschen mitgetan haben, uns unterstützt haben, uns Ideen gegeben und auch Kritik geäußert haben – und natürlich so oft unseren Einladungen gefolgt sind.

Dafür ein herzliches Dankeschön – an Sie alle. Auch an die fleißigen Frauen, die stets für sauberes Geschirr und ein aufgeräumtes Büro nach den Veranstaltungen gesorgt haben: Angela Wolf, Brigitte Rex, Erika Böhme, Erika Seidler, Petra Kanter, Rita Reimann und all die anderen LISA-Frauen.

Und ein großer Dank natürlich an Rüdiger, dass dies so – und auch so mit mir – hier in Senftenberg möglich war.

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Was hilft das Reden über Philosophie, Kunst und Politik in Proschim/Prožym?

Auftakt zur neuen RLS-Gesprächsreihe "Reden über Philosophie, Kunst und Politik" mit Gerd-Rüdiger Hoffmann

Gerd-Rüdiger Hoffmann (Philosoph; Senftenberg) im Gespräch mit Johannes Kapelle (Lehrer i.R., Bauer, Waldbesitzer, "Opa ohne Lobby"; Proschim/Prožym) und Tobias Morgenstern (Musiker, Intendant des Theaters am Rand; Zollbrücke, Oderbruch)

Das Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann bot seit zehn Jahren auch der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg Quartier in der Lausitz. Mit dem Ende der Abgeordnetentätigkeit endet zwar auch die Arbeit des Regionalbüros an seinem Ort in der Senftenberger Bärengasse, jedoch werden wir weiterhin Veranstaltungen durchführen – in anderer, vielleicht auch konzentrierterer Form und an anderen Orten. 

So freut es uns sehr, den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe REDEN ÜBER PHILOSOPHIE, KUNST UND POLTIK bekanntzugeben. Der Philosoph Gerd-Rüdiger Hoffmann, der Musiker und Intendant Tobias Morgenstern vom Theater am Rand im Oderbruch und Johannes Kapelle aus Proschim/Prožym, der „Opa ohne Lobby“ (so der Titel des 2-Minuten-Film über ihn), werden in der ersten Veranstaltung die Frage diskutieren, warum es sinnvoll sein kann, selbst unter dem Druck von Alltagssorgen oder existentieller Probleme wie der geplanten Abbaggerung der Heimat Gespräche über Kunst, Philosophie und Politik zu führen. Warum also werden die Philosophieabende in Senftenberg, die Abendvorträge im kleinen Dorf Proschim/Prožym und die politischen Veranstaltungen unter dem Titel „Randthemen“ im Theater am Rand von so vielen Menschen angenommen?

Die folgenden Veranstaltungen werden in Tenglers Buchhandlung am Markt 11 in Senftenberg stattfinden.

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